Wenn die Finanzgeier das Geld von Uli Hoeneß …

… in die Finger bekommen hätten, dann wäre es vielleicht dazu verwendet worden, auf der Berliner Flughafenruine einen Aschenbecher zu installieren. Und der wäre dann aus Brandschutzgründen wieder verschrottet worden.

Uli Hoeneß hat mit seiner Steuervermeidung, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, Schaden vom „deutschen Volk“ abgewendet.

Das kann man von keinem einzigen Politiker behaupten.

Wort für Wort

heinrich mann sabbert s che iße glaubwürdig wird versichert, daß die sowjetunion mehr ged [r] ucktes liest als irgendein andere land das entspricht allerdings [sic] der richtung eines staates der seine [sic] menschen nicht wie tiere hochzüchten will eine öffentliche meinung muß frei und offen zur geltung kommen ohne daß es darum [sic] erlaubt [sic] oder auch nur erwünscht wäre den staat selbst anzugreifen > > ein staat der nicht mehr gegen sondern für den menschen und sein glück besteht braucht [sic] keinen angriff und verdient ihn nicht 1937 zum 20. jahrestag der oktoberrevolution > > gefunden in isbn 978-3-88221-721-6 s. 76 gibt es worte die khmer verachtung verdienen (leider JA aber NEIN)

Nr. 52 des Maodeking, ein neues Lyrik-Projekt von mir. Weiteres folgt …

r(h)einlichkeit

Nach dem Vorfall hätten Kardinal Meisner und der Domzeremoniar eine symbolische Reinigung des Altars vorgenommen. Meisner habe ein Gebet gesprochen und den Altar mit Weihwasser besprengt.

über den begriff der entweihung wäre nachzudenken – es wirkt mir unangenehm, wenn ein verlassenes (und entsprechend verhökertes) gotteshaus zeremoniell entweiht und als disco zweitverwertet wird – und eine entwehrte (jeder wehr entäusserte) frau scheint mir eher eine ehre für den weihnachtlichen altar als der entwehrte, gekreuzigte mann.

religiöse fetzen, die da noch in mir wabern. leider.

denn eigentlich ist das alles banane …

Ich habe Pete Seeger gesehen, …

Die „Woody Guthrie“ im Bootshafen von Beacon, New York… wie er ein Papiertaschentuch, das im Rinnstein lag, aufgehoben und in den Mülleimer geworfen hat. Und das mit 93.

Das war für mich – nach dem Umstand, daß Gabi es nun mittlerweile bereits 25 Jahre mit mir ausgehalten hat – das beeindruckendste Erlebnis in diesem Jahr. Wenn jemand, das was er anderen predigt, auch selbst praktiziert, dann nennt man sowas wohl Integrität.

Globale Freiheit, das Interview

Als Auftakt ihrer Interview-Reihe hat Globale Freiheit mich befragt. Hier der erste Teil, ein zweiter kommt noch. 

please install flash

¿Nationale Identität?

Florence Dupont Rom – Stadt ohne Ursprung: Gründungsmythos und römische Identität (2011, dt. 2013). Die kreative Interpretationsarbeit vornehmlich an der Aeneis begeistert mich. Die Grundthese empfinde ich als schlichtweg sensationell. Die Autorin arbeitet heraus, dass die Gründungsmythos Roms explizit gegen die Herausbildung einer ethnischen nationalen Identität gerichtet sei. Diese Interpretation widerspricht der üblichen (romantischen konservativen) Verfallsanalyse, nach der am Beginn einer großen Nation oder eines (Welt-) Reiches sich ethnische in nationale Identität verwandle, die Reichsbildung durch Eroberung fremden Gebiete und der damit einhergehenden Einflussnahme volksfremder Elemente eine Verweichlichung und Dekadenz nach sich ziehe, die dann zum Untergang führe. Dupont zitiert u.a. den griechisches Historiker Dionys von Halikarnass (54 v. bis 8 n. Chr.), der die Römer alles in allem zwar als missratene Griechen darzustellen versucht, aber ihre Fähigkeit, die kulturell überlegenen Griechen zu unterwerfen, auf das Fehlen von Fremdenfeindlichkeit zurückführt (während die griechischen Städte von ihr geplagt waren). Ist Multikulti also nicht Dekadenz und Verfall, “Problem” und Bedrohung, sondern Kraft und Stärke? Dupont schreibt nichts über den Untergang dieses Reiches, das immerhin fast tausend Jahre Bestand hatte; vielleicht folgt das noch.

Noch in anderer Hinsicht interessiert mich die These von Dupont. Nach Christian Sigrist zählt Xenophobie zur Grundhaltung menschlicher Gesellschaften (dies ein Element der Akephalie, das er nicht positiv bewertet). Nun mischen sich in der Gründung Roms trojanische (kulturell und ethnisch gesehen also griechische) Flüchtlinge mit indigener Bevölkerung. (“Indigen” benutze ich hier nicht aus political correctness, sondern weil das Wort, wie mir bisher nicht bewusst war, in diesem Zusammenhang überhaupt entstanden ist.) Diese indigene Bevölkerung war wahrscheinlich keine primäre, sondern ist ihrerseits vor längerer Zeit aus Griechenland eingewandert, hat allerdings nicht das hellenistische Kulturniveau gehalten. Gleichviel: Ob wirklich indigen im heutigen Begriffssinne oder griechischen Ursprungs, es mischen sich zwei Ethnien (oder eine Ethnie unterschiedlichen Entwicklungsstandes durch räumliche Trennung), denen xenophobe Tendenzen wahrscheinlich eignen. Interessant ist, dass sie dennoch einen nicht-xenophoben Gründungsmythos entwickeln und zwar nicht “im Laufe der Zeit”, sondern, wie Dupont überzeugend zeigt, tatsächlich von Beginn an.

familiär

manche nennen es ‘sklaverei’ …

Steve Rodhouse von der Spezialeinheit für Menschenhandel sprach von “unsichtbaren Handschellen”. Das Ehepaar habe die Frauen geschlagen, aber vor allem habe es sich um emotionale Kontrolle gehandelt. Für Außenstehende hätten die fünf vermutlich wie eine ganz normale Familie ausgesehen. (SPON)

meine frage wäre eigentlich nicht, ob die 5 wie eine ganz normale familie ausgesehen haben, sondern vielmehr, ob unter dem aussehen einer ganz normalen familie mit einiger regelmässigkeit genau das passiert, was die 5 da abgezogen haben.

‘unsichtbare handschellen’  :: jepp! freud lässt grüssen + foucault natürlich. hinter die kommt keine erkenntnis zurück!

// für all die reaktionäre, die der familie irgendeine befreiende funktion zuweisen zu können meinen //

o.t.

wenn das konkrete wissen + können zum reaktionären kulturgetröte nicht mehr ausreicht, wird halt der grosse abstrakte scheinformale knüppel geschwungen: klonovsky ist (wie ich schon mehrfach mich geradezu gewungen sah zu markieren) da am offensten, weil er offene zurschaustellung von dummheit für provokant hält.

natürlich frage ich mich, warum ich gegen einen denker angehen sollte, der noch nicht einmal die begriffe ‘gegenständlich’ und ‘realistisch’ auseinander halten kann (für den dummen im geiste: das gerade verhökerte bacon.tryptichon ist gegenständlich, aber nicht realistisch* – hitler wäre, wie auch die alten ddr-kulturwarte oder unser grossdenker m.k. – not amused).

* was, wenn man es genauer nimmt auch nicht stimmt, denn beim bacon wird die produktion der malerischen realität mit in das bild aufgenommen, generiert also eine wunderbar doppelbödige hyperrealität, die dann allerdings dem naiven, platten realitätsbegriff eines m.k. eine stufe zu hoch ist – und wem die trauben zu hoch hängen, dem werden sie sauer … wir wissen es.

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bin ich doch wieder voll in’s faseln geraten … wollte einfach nur sagen: es ist oberpeinlich, wenn zur rettung von ikonen der reaktion wie wagner + schmitt (die nicht zu retten sind!) die wirkkraft der gesamte moderne als geschenk des führers diffamiert wird. dem, der so’n scheiss behauptet, wäre angeraten, einen vhs-kurs ‘kunstgeschichte der moderne I’ (das ist der, bei dem keinerlei vorkenntnisse erwartet oder gar verlangt werden!) zu besuchen. und wenn’s im kopfe reicht: etwas substanz anzulernen. das ist beim schreiben von artikeln nämlich hilfreich.

*staun*