[von Michael T. H. Kastner]
Was gestern geschah: Es wurde, von irgendwelchen millionenschweren Popstars, öffentlich zur Plünderung der Steuerzahler in den G8-Ländern aufgerufen, damit irgendwelche korrupten afrikanischen Staatschefs ihre Milizen und Panzer weiterfinanzieren können.
Die Popstars taten dies in Designer-Klamotten mit den zugehörigen Designer-Sonnenbrillen. Es sind die selben Leute, die dafür eintreten, daß die Kids in den Knast wandern, wenn sie ihre Songs über P2P-Netze tauschen.
Das nur kurz, im Vorbeigehen.
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Comments 12
Neulich bekam ich Post von einem Freund aus einem Entwicklungsland, dem ein Artikel eines berühmten lokalen Dichters beigefügt war, in dem der Mann seine Ausführungen über die Ursachen der Armut darlegte. Die Schuld an der Armut gab der Dichter u.a. der Faulheit der Menschen selber, der fehlenden Strebermentalität, der Trägheit und der Korruption der herrschenden Politiker. Als Lösung schlug er eine harte disziplinierende Erziehung vor, so genanntes “character-building”, um die Mentalität der Menschen zu ändern.
Klar, der Dichter hat keine richtige Begründung für die Ursache der Armut gegeben, und die vorgeschlagene Lösung ist auch nicht richtig. Seine Denkkategorien ähneln der Denkweise eines Franz Alt oder Karlheinz Böhm, wenn sie über Armut und Lösungsmuster für Probleme in Ländern wie Bangladesh und Äthiopien diskutieren.
Trotzdem habe ich ein Problem, selber die Frage – Warum sind die Menschen dort arm oder warum gibt es Armut (in Entwicklungsländern und Industrieländern)? – kurz und einfach zu beantworten. [...] Vielleicht könnten Sie die oben genannte Frage kurz und verständlich beantworten, so dass sowohl ein normaler Mensch als auch ein neun-jähriges Kind eine richtige Erklärung über die Ursache der Armut verstehen und mitkriegen kann. Kinder bekommen sonst schon in frühem Alter solche falschen Begründungen zu hören wie die Faulheit der Menschen, “weil sie gesündigt haben”, weil ihre Politiker korrupt sind, weil die reichen Menschen der Industrieländer, anstatt mit Brot und Geldspenden zu helfen, nur an ihr eigenes Ich denken, weil sie zu wenig Demokratie haben, weil sie nicht sparen, weil sie nicht geschäftstüchtig sind usw. usf.
Die einfache Antwort …
Posted 03 Jul 2005 at 16:41 ¶Nicht der Kapitalismus ist die Ursache der Armut, sondern die Abwesenheit des Kapitalismus. Es gibt in den Entwicklungsländern kaum Kapitalbildung, weil jegliches Privateigentum jederzeit von den dort herrschenden Staaten zerstört oder geraubt wird oder werden kann.
Das ist die einfache Antwort.
Posted 03 Jul 2005 at 17:01 ¶Dennoch finde ich eine Möglichkeit der Notstandsprävention gar nicht schlecht, wie sie von vielen privaten Spendenorganisationen betrieben wird.
Posted 03 Jul 2005 at 22:17 ¶Zum Beispiel finde ich die Idee des SOS-Kinderdorfs eine schöne Sache und bereit dafür auch eine Spende zu geben.
Es gibt eben auch Opfer, die sich nicht wehren können und nicht jede wohltätige Tat ist verdammenswert
Hallo Moddy,
zwischen Kapitalismus und Großzügigkeit, oder wie Du es schreibst “Notstandsprävention”, besteht kein Gegensatz, sondern eine Bedingtheit.
Spenden können nur dort gegeben werden, wo das Kapital so eingesetzt wird, daß es einen Überschuß erwirtschaftet.
Das Erpressen und Ausgeben von anderer Leute Geld ist keine Spende, sondern ein schlichter krimineller Akt. Und Live8 ist nichts anderes als der Aufruf zu einem solchen Akt.
Viele Grüße
Michael Kastner
Posted 03 Jul 2005 at 23:50 ¶Was fällt, soll man auch noch stoßen!
Posted 05 Jul 2005 at 00:36 ¶> Was fällt, soll man auch noch stoßen.
Fünfzig Jahre sozialistische Experimente und Millionen Toter aufgrund marxistischer Ausbeutung sollten genug sein.
Genung der Volkskommissare, Bürokraten, des IWF und der WTO.
Der Sozialismus mit seinem ideologischen Kolonialismus ist vorbei.
Posted 05 Jul 2005 at 05:48 ¶Mit dem Geld anderer Leute kommt man nicht in den Himmel. Das, was ich Herrn Müntefering geschrieben habe, gilt auch hier. Durch die zwangsläufigen Fehlallokationen der Hehler-Hilfe schafft man viel eher eine Hölle auf Erden. Überall und immer.
Posted 05 Jul 2005 at 08:29 ¶In einer Gesellschaft, die wesentlich auf der Ausbeutung fremder Arbeitskraft basiert, ist es schon etwas merkwürdig, den Schuldenerlass gegenüber der “Dritten Welt” als Diebstahl hinzustellen und sich darüber moralisch zu echauffieren. Merkwürdig ist vielleicht das falsche Wort – frech und unverschämt trifft es vielleicht eher!
Und dabei hab ich noch gar nicht angefangen, von der Ausplünderung dieser Regionen während der Zeit des Kolonialismus zu reden.
Posted 05 Jul 2005 at 10:02 ¶> In einer Gesellschaft, die wesentlich
> auf der Ausbeutung fremder Arbeitskraft
> basiert,
Die “Gesellschaft” oder besser, die “Gesellschaften” basieren nicht auf Ausbeutung fremder Arbeit. Es sind die Staaten, die darauf basieren.
> ist es schon etwas merkwürdig,
> den Schuldenerlass gegenüber der
> “Dritten Welt” als Diebstahl hinzustellen
> und sich darüber moralisch zu echauffieren.
Die Merkwürdigkeit besteht wohl eher in Deiner Begriffsbilung und Wortwahl. Sehr verwirrend!
> Merkwürdig ist vielleicht das falsche
> Wort – frech und unverschämt trifft
> es vielleicht eher!
Kann ich jetzt nicht so sehen. Sorry. Das interpretierst Du in den Text anderer Leute hinein.
> Und dabei hab ich noch gar nicht angefangen,
> von der Ausplünderung dieser Regionen
> während der Zeit des Kolonialismus zu reden.
Warum solltest Du? Hast Du ein schlechtes Gewissen?
Vielleicht wäre eine Gesprächsgruppe dafür angebrachter.
Posted 05 Jul 2005 at 10:14 ¶@lysis:
Mir ist nicht klar, wieso unsere Gesellschaft wesentlich auf der Ausbeutung fremder Arbeitskraft basiert. Was ist damit gemeint? Daß die einen Mitglieder der Gesellschaft (Unproduktive) andere Mitglieder der Gesellschaft (Produktive) für sich arbeiten lassen? Oder das unsere Gesellschaft in ihrer Gesamtheit fremde Gesellschaften ausbeutet? Bitte etwas klarer definieren.
Ein Schuldenerlass gegenüber der sogenannten Dritten Welt ist natürlich kein Diebstahl im eigentlichen Sinne. Den Dritteweltstaaten wird ja dadurch nichts weggenommen (außer Verantwortung und Selbstbewußtsein). Aber wenn die Geberstaaten auf die Rückzahlung von Darlehen verzichten, dann bestehlen diese Staaten ihre Bürger, denen Sie das Geld ja abgepreßt haben, welches Sie als Darlehen vergeben haben. Ich denke so ist das gemeint.
Posted 05 Jul 2005 at 10:18 ¶Hallo Stefan,
Schuldenerlaß ist das falsche Wort. Schulden kann nur derjenige erlassen, der den Kredit gegeben hat.
Die Kredite an die Dritte-Welt-Länder wurden von privaten, halbstaatlichen und staatlichen Kreditinstituten vergeben.
Der sog. Schluldenerlaß ist kein Erlaß, sondern eine Umschuldung. Offiziell übernehmen die Staaten jetzt die Schulden. Und das heißt, daß die Schulden an den Steuerzahlern hängen bleiben.
Und das nachdem die Kohle in den Ländern eh schon für Waffen, Bürokratie und Korruption verbraten wurde.
Das ist nicht nur ein moralisches Problem. Es ist auch ein ökonomisches.
Denn nicht nur, daß mit den ursprünglichen Krediten der massive Ausbau von Ineffizienz subventioniert wurde.
Das ist nur die eine Seite der Medaille.
Die andere Seite ist, daß die meisten dieser Kredite von den Instituten hätte abgeschrieben werden müssen.
Ein Marktsignal, das das anzeigt, daß hier ein Fehlinvestment stattgefunden hat.
Da aber die Staaten die Kredite übernehmen, erhalten die Kreditinstitute das Signal, daß sie so weitermachen können wie bisher.
Denn da diesmal die westlichen Staaten als Schuldner eingesprungen sind, werden sie es beim nächsten mal wieder tun.
Eine Ineffizienzspirale ohne Ende.
Viele Grüße
Michael Kastner
Posted 05 Jul 2005 at 10:31 ¶@Michael Kastner:
Genau das meine ich mit den Fehlallokationen. Die finden ja komplett rund um das Geschehen statt. Ich habe den sich entspannenden Diskussionsfaden einmal ins Maulwerk-Forum verlegt. Vielleicht sollten wir dort weitermachen:
http://www.maulwerk.freiheitsfabrik.de/read.php?f=1&i=9&t=9&phorum_uriauth=Stefan%3A93bf3915013c8caf7ad477529969471b
Posted 05 Jul 2005 at 10:45 ¶