[von Michael T. H. Kastner]
“Wir sind wahrscheinlich auch zu der Schlußfolgerung berechtigt, daß unsere gegenwärtigen Werte nur als Element einer besonderen kulturellen Überlieferung existieren und nur für eine mehr oder weniger lange Evolutionsphase kennzeichnend sind – gleichgültig, ob diese Phase einige unserer prähominiden Vorfahren einschließt oder sich auf bestimmte Perioden der menschlichen Zivilisation beschränkt. Wir haben ebensowenig Veranlassung ihnen ewige Existenz zuzuschreiben, wie der menschlichen Rasse selbst.”
Friedrich August von Hayek
Die Theorie komplexer Phänomene
in “Die Anmaßung von Wissen (S. 300)”
Mit anderen Worten: Traditionen und Werte sind Teil eines evolutionären Wettbewerbsprozesses. Der Umstand, daß sie in der Vergangenheit einmal für das Individuum nützlich waren, bedeutet nicht, daß sie es auch in der Zukunft sein werden. Oder anders ausgedrückt: Jede Tradition und jeder Wert kann jederzeit durch neue Traditionen und Werte ersetzt werden, die sich für den Einzelnen als nützlicher erweisen.
Höhere Grade an Komplexität erfordern ein höheres Maß an Handlungsoptionen.
Capitalism rocks: Happy evolution!
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Comments 5
Konservativismus ist die Angst vor eben jener Evolution – davor dass die eigenen für allgemeingültig erklärten Werte den Kürzeren ziehen könnten, wenn sie sich dem Wettbewerb stellen müssen.
Posted 08 Jul 2005 at 15:42 ¶Mir scheint da Hayek etwas anmaßend. Allein schon der Evolutionsbegriff ist ungenau und hat einen religiösen “Charakter”. Die Evolution tut dies, dann tut sie jenens, als ob sie eine Person sei. Und wenn ich mir anmaße ein Evolutionssprung zu sein, der die alte Moral nicht mehr braucht weil unnütz, dann mache ich alle Kapitalisten platt, weil der neue Mensch unter meine jetzt zum Sozialismus fähig ist.
Posted 08 Jul 2005 at 16:06 ¶Der Hayek-Satz ist richtig – v.A. aufgrund der Verwendung des Wortes “wahrscheinlich”. Wenn z.B. der Wert “Du sollst nicht töten” irgendwann von einem anderen in seinem hohen Rang abgelöst werden sollte – evolutionär oder nicht – dann ist die “menschliche Rasse” am Ende – wahrscheinlich.
Wieder werden hier Traditionen und Werte m.E. unzulässig vermischt. Um es vielleicht mal mit der technischen “Evolution” zu vergleichen: Werte sind vergleichbar mit den Naturgesetzen, die es zu entdecken gilt, die aber auch ohne diese Entdeckung vorhanden sind. Traditionen sind vergleichbar mit den mit Hilfe der Naturgesetze gebauten Maschinen, die uns das Leben erleichtern.
Man kann sie annehmen oder ablehnen, oder noch bessere oder ganz andere bauen. Aber die Werte, auf denen sie beruhen, bleiben gleich.
Auch neue Traditionen werden sich daher nur durchsetzen (und der Menschheit nicht schaden), wenn sie auf Werte beruhen, die sich schon vorher bewährt haben.
Posted 08 Jul 2005 at 22:56 ¶Wo grenzt Du Tradition von Werten ab, Robert ?
Posted 09 Jul 2005 at 17:42 ¶Wären z.B. die “bürgerliche Ehe” und die Ablehnung der Monogamie so ein “Wert” ?
Ist nicht – im Unterschied zu den Naturgesetzen – ein Wertepluralismus anzunehmen ?
Hallo Achim,
Hier meine Antwort auf Deine Fragen.
Posted 12 Jul 2005 at 09:08 ¶