[von Andreas Ullrich]
Die B.L.O.Gs haben ausführlich auf meine Intervention geantwortet. Da bleibt mir wohl niX anderes über, als auch nochmal die Tastatur klappern zu lassen:
Vorweg + generell zur “etwas zu billigen Münze”. Ich mache es mir einfach. So einfach wie nur möglich. Dazu haben mich eine generelle Aufwand-Gewinn-Rechnung und ein unüberwindlicher Ekel vor der politischen Realität gebracht. Es ist mir einfach zu teuer, den Windungen kranker Hirne hinterher zu buchstabieren, in deren LügenRattenNestern herumzustochern und mich auf deren menschenverachtende Kollektivismen einzulassen. Ohne solche Zeit+Kraft-Verschwendung habe ich mehr Zeit+Kraft, da zu verstehen und da zu handeln, wo ich genauere Kenntnis, praktischen Einfluss und direkten Handlungsresponse habe: in meinem Arbeitsumfeld, in meinem privaten Umfeld und hier in meiner Fabrik. Natürlich ist so eine Haltung provinziell: kein staatsmännischer Impetus, keine globale Vision, keine westliche MoralphalanX. Oder begrifflich verallgemeinert: der Subsidiaritätsgedanke ist in letzter Konsequenz individuelle Anarchie: nicht herrschen wollen und nicht beherrscht werden wollen. Und das ist doch, in der Tat, ganz einfach. Aber, und das schliesst den kleinen Vor-Trag zum Ring: das ist nicht ‘billig’!
An einer Formulierung möchte ich einhaken:
“Auf den Ansatz, Güterabwägungen zu treffen, reagiert Andreas mit einer Güterabwägung. Auch schön.”
Natürlich tue ich das. Handeln (und auch Denken ist Handeln) IST praktisch werdende Güterabwägung. Unsere beiden Ansätze entscheiden sich jedoch grundsätzlich: ich wäge meine Güter, Ihr jedoch diejenigen der ganzen Welt; Ihr wägt fremdes Leben gegen fremde Interessen, ich mein Leben gegen meine Interessen. Was wiegt denn das Leben eines irakischen Flakhelfers? Das eines irakischen Kindes? Das einer amerikanischen Soldatin? Oder das einer deutschen Archäologin? Wie verrechne ich Leben mit Interesse? Was ist ein Tyrannenmord denn ‘wert’? Tausend Todeseinheiten? Zweitausend? Hunderttausend? Oder Demokratie? Oder Freiheit? Wie verrechnen sich Nationalitäten gegeneinander, wie Zivilisten und Soldaten?
Die Entscheidung, nur meine Güter abzuwägen und meine Interessen, ist kein Desinteresse an anderen Menschen und Schicksalen, es ist nur die umgesetzte Erkenntnis, dass ich weder mit fremdem Gut noch fremdem Leben zu spielen habe – auch dann, wenn ich dem hypothetisierenden Herumgespiele eine moralische Lackierung durch Evozierung hochdramatischer Dilemmata verpasse.
Sage mir wie Du rechnest und ich sage Dir wer Du bist … weil ‘einfach’ einfach einfach ist.
Herz+Mördergrube · 29.01.2006 · Andreas Ullrich · Comments (1)
29.01.2006 - 14:48
[...] Nach der letzten Erwiderung der Freiheitsfabrikanten fühle ich mich bestätigt, dass sich die Diskussion zwischen den “Falken” und den “Hühner” auf ganz verschiedenen Ebenen abspielt. Da kann man sich die eigenen Schlussfolgerungen noch so lange gegenseitig um die Ohren hauen, ein Verständnis kann daraus nicht entstehen. Ich versuche mal, die Übergänge in den Griff zu kriegen. [...]