die richtigen namen werden genannt (bastiat, hayek, mises, rothbard) und das richtige bürgerliche interieur (wacholderstube und kaminzimmer) wird süffig kredenzt: eigentlich macht die ankündigung des herz- und magenblättchens des liberalen spiessertums - ‘eigentümlich frei’ aus unerfindlichen gründen benannt – alles richtig mit der ankündigung einer veranstaltung der theodor-heuss-akademie. aber bei einem peripheren randsätzlein krümmt sich meine magenwand doch empfindlich: “Aufgelockert wird das Programm durch einen Filmabend am Samstag, bei dem ein liberaler Film gezeigt wird.”
was zum teufel ist ein liberaler film? und warum ist ein liberaler film eine auflockerung? ist beethoven ein liberaler komponist? und wenn ja, warum? oder hat rembrandt liberale bilder gemalt? und wenn ja, warum? und bach war sicher kein liberaler notensetzer+ mozart wohl auch nicht so recht.
eine klassifizierung, die diese 4 typen aussen vor lässt (nur beispielhaft genannt! es könnten auch freud, adorno, foucault und luhmann sein), kann mir den intellektuellen, äathetischen und moralischen buckel herunter rutschen – wo sie mit so einem rutsch landen, sei dahingestellt – und sollte sich weinend in eine demutsecke verziehen + und hochheilig geloben, nach besserung zu streben.
aber bei spiessern muss halt alles passen: liberale denker + liberales kulturgedöns vor knisterndem kaminholz. ich würde lieber hayek + otto gemeinsam verhandeln oder rothbard + trio – da würde ich wenigstens gezwungen, meine eigens geköchelte suppe zu verlassen und im ungemachten bett mein kuscheleckchen neu zu gestalten … eulen nach athen ist schon schlimm (weil ressourcenvergeudung vor dem ökö-herren), aber liberales filmgut zu rothbards ist schon eine geistige devotion, die sich murray sicher verboten haben würde.
hoffe ich wenigstens. sonst müsste ich einiges bei mir revidieren.

paolo
Atlas Shrugged ist der liberale Film, übrigens von Rothbard als emotionale Auflockerung (zumindest das Buch) verstanden.
Stefan Sedlaczek
Ullrich, die irgendwie eiserne, die anderswo verbisssene – und oft auch gebißlose – und doch zurecht immer wieder rezipierte – Goldwaage, justiere sich neu. Es gibt Erheblicheres, wodurch sich ef (dis)qualifiziert.
Qualifiziert und disqualifiziert: Eine tolle Zeitschrift.
Stefan Sedlaczek
Wach Holder Stube
Was für ein Thema!
Wach bleiben.
Die Holde verehren.
Auf der Stube hocken.
Wacholder, die Beere der menschlichen Genitalien: Befördert, erregt IHN, den besten Freund des Mannes; durchblutet, erregt SIE, die erotische Freundin des SEX.
Wacholderöl ist in Deutschland nicht frei erhältlich.
Stefan Sedlaczek
Kaminzimmer
Alles verbrannt.
Der Staatsschutz erntet nur Asche.
Stefan Sedlaczek
Kaminholz
Brennt nicht mehr.
Das ist illegal.
Weil am Rhein und in Berlin nicht versteuert.
1944
1945
1946
1947
1948
1949
Die fünfziger Jahre.
Kaminholz
RechtsPOSITIV rulez.
Was nicht gilt, brennt auch nicht. Bitte.
Juristen sind Magier.
Wer brennt, verzehrt sich.
Juristen setzen Recht.
Kaminholz
Verbrannt
Entfeuert.
Entseelt
Stefan Sedlaczek
Augenmerk?
Freistaat Flaschenhals.
Stefan Sedlaczek
Wider
Spruch
Widderspruch zur Esoterik
-====== =========-
Vermerk über ein unwahrscheinliches Vorkommnis
Ein Kreis.
Ein Kreis hier
Ein Kreis da
Zwei Kreise.
Ein Kreis ist mehr als ein Quadrat.
Ein Kreis ist mehr als ein Quadrat?
Hohlraum. Dazwischen.
Unregiert. Unbekümmert.
Freiheitssplitter nach dem Krieg:
“Ein Kreis ist nicht besser als ein Quadrat.”
Ich setze mich in keinen Kreis.
Stefan Sedlaczek
Ich stehe auf.
Stefan Sedlaczek
Vergebens.
Stefan Sedlaczek
Sich in Kriegszeiten ausdrücken.
Sich heutzutage auszudrücken.
Ach, Bacharach, ich bin noch nicht ausgequetschtscht.
Wohlan: Füttern wir und essen wir die Zitronen, die wir nie angebaut haben.
Stefan Sedlaczek
Weinen, Weintrauben – 11 – haben damit nichts zu tun.
Stefan Sedlaczek
Ach: Das gilt – wäre es 12 – einfach nicht. Wenn es das Nicht überhaupt gibt. Und dann, dann schlägst doch – 13.
Achso: Der Aber-und Überglaube, das Gewollte, das, was als sein Sollen sein Sollen sein muß, das regiert die Welt – bis es nimmer geht. Und weiter geht.
Abrupt.
Allem Ende schimmert eine Hoffnung. Allem Anfang auch.
Andreas Ullrich
@paolo
danke für diese detailinfo.
allerdings empfinde ich rothbard eher als erholung von frau rand. seine ethik z.b. ist wunderbar locker gegen die sprachgeschütze der romantikerin des kapitalismus.
aber auch das nur nebenbei …
Andreas Ullrich
@stefan s.
endlich ‘mal eine kreative nutzung der scheinreglementierten kommentarfunktion …
“bis es nimmer geht. Und weiter geht.” das ist, in nuce, die gesellschaftsdefinition von luhmann&co. – und begründet das faszinosum der überlebensfähigkeit, das institutionen umgibt (zum bösen wie zum guten).
Michael Kastner
Selbst wenn alles andere bei Ayn Rand daneben gewesen wäre, was bei Rand in jedem Falle bleiben wird, ist daß sie dem Mythos „Gesellschaft“ ein Ende bereitet hat.
Das alleine gibt ihren Romanen schon eine Daseinsberechtigung.
Daß sie darüberhinaus noch den Egoismus als höchste Tugend herauskristallisiert hat, ist das Sahnehäubchen ihres Denkens.
Daß sie es dann wiederum selbst nicht hinbekommen hat, nach ihrer eigenen Philosophie zu leben, wirft einen Schatten auf sie selbst, aber nicht auf ihre Erkenntnisse.
Kalwies
Kritik ist immer berechtigt, allein, es trifft hier die Falschen.
ef hat mit der Veranstaltung nichts zu tun, außer, dass sie so freundlich waren, die Ankündigung online zu stellen, wofür ich natürlich sehr dankbar bin.
Ich habe deshalb “ein liberaler Film” geschrieben, weil noch nicht klar ist, welcher es sein wird. Das überlasse ich den Teilnehmern zu entscheiden.
Zur Auswahl stehen:
- Atlas Shrugged
- How To Start Your Own Country
- Empire Me! – Der Staat bin ich
Abgestimmt werden kann hier: http://www.facebook.com/events/321661547863896/
Und für die Veranstaltung anmelden kann man sich hier: http://www.freiheit.org/webcom/fancyuri.php/_c-898/_lkm-7/vname-470/vid-1432/i.html
Andreas Ullrich
ja, ja, ja!
hab’ ich mal wieder den sack gehauen + die kartoffeln getroffen … sorry.
ich nehme nix zurück (je ne regrett rieng!) und lasse alles dampfend stehen.
und davon abhalten kann ich sowieso niemanden (selbst wenn ich es wollte) – weil: ich nixx macht!
DDH
Ach Andreas. Da knistert kein Kaminholz, höchstens das morsche Gebälk eines investitionsrückstaugeschundenen 70er Jahre-Zweckbaus (in Architekturfragen bin ich wahrscheinlich wirklich “konservativ”, mea culpa!). Und das gekrümmt Rückgrat von Dr. F. aus dem in Gummersbach ansässigen Archiv des Liberalismus – aber in der Wacholderstube habe auch ich schon den einen oder anderen entschiedenen Liberalen (mit einem gerüttelt Maß FDP-Distanz!) angetroffen und bei gutem chilenischen Rotwein interessante, horizonterweiternde Eindrücke mitgenommen. Schlagt die Spießer wo Ihr sie trefft, ja, von mir aus! ABER: wenn man mal ne ganze Weile lang keinen Spießer trifft, schlage man nicht gleich Löcher in die Luft! Die jungen Leute, die hinter der Veranstaltung stehen sind jedenfalls keine streng gescheitelten Jungbourgeoise, im Gegenteil! Sonst würde ich wohl kaum dort aufschlagen am 3. Februar!