Was wollt ihr denn?

“Ägyptens Muslimbruderschaft will neue Regeln für Touristen: Keine Bikinis, kein Alkohol. Viele fürchten eine Entwicklung wie im Iran der Ajatollahs.” Welt

Ich war von Anfang an skeptisch gegen die Euphorie.

Politik ändert nix. Jedenfalls nix zum Guten.

Die Frage ist, wen die Nato in Libyen an die Macht gebombt hat.

Krieg ändert nix. Jedenfalls nix zum Guten.

Wir brauchen eine neue liberale = antietatistische Revolution weltweit, nix anderes, keine Ersetzung der einen Machtclique durch eine andere (die ja immer die alten etatistischen Strukturen weiter nutzt – das wäre ja auch Verschwendung, wenn man sie jedes Mal wiederneue aufbauen müsste.)

Europhorie

Der Artikel und die Berechnungen der KfW mögen Propaganda sein. Dennoch: Alles, was ich von Ludwig von Mises und Murray Rothbard gelernt habe, spricht dafür, die Sache mit dem Euro anders zu sehen als die D-Mark-Nostalgiker und die Neonationalisten. Der Euro wurde eingeführt, um Profite qua Geldvermehrung auf Kosten anderer zu machen. Das sind ganz sicher die Menschen in der dritten Welt. Das sind ganz sicher die Armen im eigenen Land. Das sind aber vielleicht auch die Griechen. Insofern könnte der “Rettungsschirm” auf Europaebene das sein, was das soziale Netz auf nationaler Ebene ist: Schweigegeld.

Die Strategie, gegen die Eurobürokratie eine Art Bollwerk nach dem Prinzip der nationalen Befreiungsfront zu errichten, wird nicht aufgehen. Die Interessen auf dem BRD-Gebiet sind nicht einheitlich. Es herrscht Klassenkampf. Die Profiteure des Euro ist die Koalition der Mächtigen. Nicht nur die politische Klasse, sondern auch die Klasse der Staatskapitalisten hat ein vitales Interesse an der Union Sozialistischer Eurorepubliken im Allgemeinen und dem Euro im Besonderen. Die Parole “Ein Volk … eine Währung …” endet notgedrungen auf “… ein Führer”, denn das gemeinsame Interesse des deutschen Volkes ist eine Illusion, die nur in Gewalt sich verwirklichen ließe.

Im Kampf gegen den Euro eine taktische Koalition mit D-Mark-Nostalgikern zu schließen, ist verhängnisvoll: Die Aushöhlung, ja die Verhöhnung liberaler Prinzipien. Der Kampf muss ohne Wenn und Aber um die Abschaffung der staatlichen Hoheit übers Geld geführt werden. Der Unterschied zwischen Euro und DM ist, wenn es überhaupt einen gibt, graduell. Und dieser Unterschied fällt vielleicht sogar zugunsten des Euro aus, denn (ich wiederhole mich) er wurde ja aus der inneren Logik des Systems heraus eingeführt. Innerhalb des Systems gibt es kein Zurück. Das ist etwas, das die D-Mark-Nostalgiker eben nicht begreifen. Sie sind reaktionär. Eine Perspektive für die Zukunft eröffnen sie nicht.

horizontvernagelt

liebe für diejenigen, die keine liebe brauchen. wenn dialektik je ‘recht’ gehabt haben sollte, dann hier: selbst die ablehnung eines jeden statusses gerinnt zum neuen status des ablehnens eines statusses. kurz: tu’ was du willst, wir haben dich immer im sack.

politischer kurzschluss sickert in die werbung für freiwilliges: kein privater entschluss entrinnt dem verwertungszusammenhang, wenn er sich nicht der politik und der ökonomie entzieht. oder anders: wer ‘status’ nicht einfach aus dem grunde ignoriert, weil er unnütz ist in der eigenen lebenswerthierarchie, sondern weil er ‘status’ als prinzip ablehnt (und damit der negation von ‘status’ ausgeliefert bleibt), der errichtet durch seine ideologische ablehnung einen neuen status.

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zitat

ein gutes bonmot kann den wolkenverhangenen denkhimmel für ein millisekündlein aufreissen + einen freien blick auf den schimmelblauen himmel und die maisgelbe sonne verschaffen. wenn es gut ist. ist es mies (und so ein fall beschäftigt mich hier), vernagelt es den ganzen denkhimmel mit den brettern, die dem miesen bonmotisten eh schon vor der stirne kleben und dort eigentlich genug verheerungen anrichten.

Um den Unterschied zwischen Ethik und Moral, der heute vergessen scheint, zu verdeutlichen: Ethisch ist die Verurteilung sämtlicher Kriegsverbrechen, die Moral kennt nur jene der Besiegten. (Michael Klonovsky – ef-Zitat des Tages 02.09.2011)

ich hab erst gar nicht kapiert, was da gemeint ist. nicht, weil der satz irgendwie komplex ist oder die wörter schwierig, sondern weil das ‘jene’ falsch gebraucht wird. “a und b sind beide hochnäsig, wobei dieses (gemeint ist das nähere, das b) hochnäsiger ist als jenes (gemeint ist das entferntere, das a).” dieser entferntere verweischarakter des ‘jene’ lässt den referenzpunkt ‘verurteilung’ wahrscheinlich werden, was aber eine unsymmetrische inhaltliche aussage erzeugt (‘verurteilung der besiegten’). würde man einfach ‘jene’ durch ‘die’ ersetzen, wäre der satz auf anhieb klar. aber im wort ‘jene’ steckt ein hochnäsiger akzent, ein spitzfingriges denken, ein gestelztes formulieren, das gut zum denktypus der verfassers der verhunzten sentenz passt. natürlich ist das kleinkariert gedacht von mir. aber wer eine ganze denkwelt in einen satz pressen will, muss jedes wort beherrschen und genauestens mit den gravitationswellen der grammatik rechnen. schlamperei ist hier tödlich.

nach diesen eher ästhetisch-semantischen überlegungen nun zu den inhaltlichen: da wird’s dann richtig grausam …

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die freiheit

Ein weiterer empörender Missbrauch des Names der Freiheit. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich eine Frau unter einer Burka versteckt frei fühlen kann.” Dies als Begründung für die Forderung nach einem Burka-Verbot.

1. Was jemand sich vorstellen kann oder nicht, darf auf keinen Fall Grundlage eines gesetzlichen Verbotes sein. Wer seine Vorstellungen zu solch einer Grundlage macht, übt Willkür und propagiert Diktatur.

2. Nehmen wir den ersten Teil des Satzes weg und begründen: “Unter einer Burka fühlt sich keine Frau frei.” Der Beweis für die Richtigkeit der Aussage kann überhaupt nur in einer Situation der Freiwilligkeit erbracht werden. Wenn in einer Situation der Freiwilligkeit sich keine Frau bereit findet, eine Burka zu tragen, ist der Satz ggf. richtig (zumindest solange, bis eine Frau es täte).

3. Es ist also etwas ganz anderes zu sagen, keine Frau darf gezwungen werden, eine Burka zu tragen (das ist der Satz, der aus dem Freiheitsrecht sich ableitet), als: jede Frau ist gezwungen, keine Burka zu tragen.

Was für ein Armutszeugnis für die Bildung dieses Herrn, dass man ihm solche Einfachheiten erklären muss. Oder redet er so mit Absicht, um den Namen der Freiheit in den Schmutz zu ziehen und den Eindruck zu erwecken, dass Freiheit ein Widerspruch in sich ist?

die wahrheit über westliche werte …

… findet sich nicht, wie von mir immer schon obligatorisch vermutet, in bayreuth oder im thomas-mann-lesekreis oberammergau (geschweige denn im “”"”"kulturteil”"”"” von ef-magazin oder in dessen unmaskierter fassung genannt ‘pi’), sondern in den pimp-my-messi-home-sendungen im unterschichtenfernsehen: die zu bekehrenden protagonisten werden in’en urlaub geschickt und die nürnberger heinzelmännchen pimpen nach westkulturellem strickmuster, was die kriegskasse eben noch kalkulatorisch an ästhetischen scheusslichkeiten ermöglicht. auch dem kulturbesoffenen da-da-da-damm-edel-konsumenten wird die eigene arbeit am eigenen leben elegant abgenommen: der burgeois lässt liefern (wagner-pizza mit schwanenfleisch und blechblassauce oder die brachial röhrende beethovensche-schicksals-heimorgel) ebenso wie der schein-re-edukatete prol-abweichler mit seinem gutmenschelnd aufoktroyierten, scheinsinnlichen ikeacharme-nest.

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kriegsbereitschaft

Das wesentliche Moment der Kriegsmentalität, das der Analyse bedarf, [liegt] weder im militärischen Charakter noch in der Feind-Projektion, sondern in der Apathie, mit der die große Mehrzahl der Menschen in allen Ländern jenen Krieg akzeptiert, den sie sowohl vom Gefühl als auch von der Überzeugung her ablehnt. Daraus muss man auf eine innere fatalis­tische Verbindung mit dem befürchteten Desaster schließen, und am besten kann man diese als »primären Masochismus« (Reich)* erklären: Die Hypothese ­besagt, dass die Menschen aufgrund ihres rigiden Charakters nicht fähig sind, ihre aufgestauten Bedürfnisse zu fühlen, insbesondere die Bedürfnisse nach ­Sexualität und kreativem Wachstum, weswegen sie wie Verschwörer eine externe Katastrophe erträumen und herbeiwünschen, um die eigene Starrheit zu durchbrechen und um sich freizumachen. Die vorherrschenden Bedingungen sozialen Friedens und bedeutungsloser Jobs führen zu einer Steigerung der Lust auf den großen Knall. (Wenn man diesen Kriegs-Aspekt analysiert, hat man meiner Erfahrung nach jedoch gerade die eher moralisch motivierten ­Pazifisten gegen sich. Bevor sie über normale Homosexualität hinwegsehen können oder die Sexualität ihrer Kinder ermutigen, würden sie anscheinend eher die Brutalität der Armeen akzeptieren und zuschauen, wie Menschen in Stücke zerfetzt werden. Man zweifelt an der Gesundheit ihres Pazifismus, der eher ­eine Abwehr eigener feindseliger Fantasien zu sein scheint.) […]
Jede Befriedigung vitaler Bedürfnisse, jede persönliche Selbstverwirklichung, jeder Dienst an der Gemeinschaft und jede humane Kultur wird im Prinzip Energien aus den Strukturen der Überheblichkeit, der Projek­tion oder des fatalistischen Masochismus abziehen. »Frieden führen« ist das beste Mittel, um Krieg zu verhindern; und Pazifisten tun gut daran, Programme für eine Nutzanwendung von Reichtum und Energien zu entwickeln und zu unterstützen, die von den Kosten, Ängsten und Sinnlosigkeiten des Kriegs gänzlich unbelastet sind. Lassen Sie mich bitte sagen, dass es nach meiner Meinung auch eine natürliche Gewalt gibt, mit der sich die Kriegsgefahr verringert, zum Beispiel der Ausbruch von Leidenschaft, ein klärender Kampf mit den Fäusten, das zarte Bezwingen des Jungfräulichen, ein Streit, der Barrieren im zwischenmenschlichen Kontakt einreißt. Krieg nährt sich von der Hemmung normaler Aggression. (Selbstredend sind da viele Pazifisten anderer Meinung.)
Paul Goodman, 1961

——
* Wilhelm Reich (1897-1957), deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker. Zunächst Kommunist, entwickelte er in den USA einen liberalen Standpunkt. Seine Bedeutung liegt in der Erforschung der krankmachenden Auswirkungen von Sexualfeindlichkeit. Sigmund Freud bezeichnete die Tendenz zur Selbstzerstörung, die sich durch Psychoanalyse nicht auflösen ließ, als »primären Masochismus« oder Todestrieb. Wilhelm Reich dagegen schrieb dem primären Masochismus nicht die wirkliche Selbstzerstörung als Ziel zu, sondern den Wunsch, aus dem Charakterpanzer auszubrechen, der die Entfaltung von Lust verhindert.

von deutschem boden

solle nie wieder Krieg ausgehen. Das war mal gesellschaftlicher Konsens in angeblich konservativen, restaurativen Zeiten. Das war mal die Meinung der Sozialdemokraten. Das war mal Programm der Grünen. War.

Heute ist, wer daran erinnert oder, schlimmer noch, daran festhält, der Clown der “Republik” (in Anführungszeichen – denn ist es noch eine?).

Zur Erinnerung: Die Grünen und die SPD waren es, die diesen Grundsatz über den Haufen warfen (genauso, wie die sozialliberale [weder sozial noch liberal] Koalition damit angefangen hat, das Asylrecht abzuschaffen – auch so etwas, das eine Lehre aus der Erfahrung des Nationalsozialismus sein sollte: geopfert der Unmenschlichkeit des Sozialstaates).

Wenn Westerwelle einen Rest von Ehre im Leibe hätte, würde er Angela die Brocken hinschmeißen und zum Abschied LMA sagen.

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