die unsichtbare hand ist ein kochlöffel – belegfoto

die unsichtbare hand ist ein kochlöffel

ich koche gerade eine sauce bolongnese (nach einem alten, mir als ‘original’ angepriesenen rezept mit viel kleingeschnippelten möhren – wegen der süsse) und habe, weil ich’s mag + auf originalität im entscheidenden moment keinen wert lege, frisch gemörserten pfeffer (mein schönstes geschenk zum 50ten: ein 5-kilo-mörser aus wunderbarem stein) in echt krasser dosierung hinzu gefügt. dabei dachte ich (weil es unangenehm ist, im endprodukt auf ein ‘pfeffernest’ zu stossen), dass es doch eigentlich echt genial ist, dass ich keine möglichkeit habe, jedes einzelne pfefferteil einzeln zu adressieren: seine grösse, seinen standort, seine temperatur etc.. weil ich, da es eben keine möglichkeit dazu gibt, auch keinen gedanken darauf verschwenden muss, die verteilung im endprodukt bis in’s einzelne zu definieren und auszuführen. mein grosser, alter umrührholzlöffel erledigt das nach gesetzen, die ich nicht zu kennen brauche, damit sie funktionieren. letztlich lebe ich beim gekoche davon, dass der zweite hauptsatz der thermodynamik nicht nur menschliches gespinne ist, sondern das gedankliche kondesat reicher praktischer erfahrung: ordnungen (in meinem fall: definierte ‘pfeffernester’) sind halt höchst instabil und im laufe der zeit haben sie die tendenz (ob durch einen kochlöffel unterstützt oder nicht), sich in unordnungen (in meinem fall: erträgliche gleichverteilung der pfefferteile) zu transformieren.

zwar ist die tätigkeit eines kochlöffels ganz ungeniert kollektiv (nicht einzeln adressiert), doch im ergebnis bekomme ich, was ich mir von meiner veranstaltung verspreche.

that’s life!

wahlen ändern nichts

Wahlen ändern nichts. Die herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden. Waren mal linke Sprüche. Systemtheorie und österreichische Schule der Ökonomie machen aus den Sprüchen Kondensate von wichtigen Einsichten in den sozioökonomischen Prozess der Integration.

1. Verändernwollen einer Organisation ob Staat, Partei, Verein oder Unternehmen setzt mitmachen voraus. Mitmachen setzt Anpassung an

(a) die Regeln der Organisation und

(b) deren Kultur voraus.

Dies begrenzt beim „Marsch durch die Institutionen“ das Veränderungspotenzial. Dafür gibt es viele Beispiele. Dies ist übrigens nicht nur ein problematischer Aspekt. Hayek und andere konservative Denker sehen darin einen Garanten, dass Veränderung evolutionär anstatt revolutionär vor sich geht: Der Mechanismus schützt (etwas) vor Innovationsterror und vor militanten Fundamentalisten. Das ist ärgerlich, wenn man eine radikale Veränderung anstrebt, aber man dankt dem Mechanismus der Integration, wenn er Gegner bremst.

2. Der Unterschied zwischen Staat und den anderen sozialen Organisationen besteht darin, dass der Staatsbürger mitmachen (oder zumindest dulden) muss. In freiwilligen Organisationen dagegen besteht die Alternative zum Verändernwollen, wenn dem kein adäquates Verändernkönnen gegenübersteht, darin, auszutreten, zu kündigen, ein angebotenes Produkt nicht zu erwerben. Damit ist ein weiterer Mechanismus der Veränderung eröffnet: Organisationen, deren Bestand von Austritten bedroht ist, müssen sich (wenn sie sich nicht auflösen) den veränderten Bedingungen anpassen.

3. Im Staat als Zwangsorganisation ergibt sich ein weiterer Mechanismus der Integration. Es ist ökonomisch gesehen solange profitabler anzustreben, einen Teil vom Kuchen abzubekommen, bis die Produktivität so weit sinkt, dass der Kuchen zu klein für die Profiteure (Ausbeuter) wird. Bis zu diesem Punkt ist politisches Verändernwollen nichts als ein Euphemismus dafür, im Verteilungskampf ein größeres Stück Kuchen abzubekommen.

 

wie ist es recht

Recht ist die Befugnis eines jeden, jeden anderen zu zwingen, damit er immer innerhalb der Grenzen der Einstimmung des Gebrauchs seiner Freiheit mit der meinigen bleibe. (Na, wer sagt das? Irgendein abseitiger Anarchokapitalist? Nein: Immanuel Kant, Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis [1793], in: ders, Kleinere Schriften zur Geschichtsphilosophie, Ethik und Politik, Hamburg 1973, S. 90.)

Machen wir die Probe: Jemand oder eine Gruppe findet die Idee des Rechts irrelevant und meint vor allem, in der konkreten, praktischen Anwendung über die „Einschränkung der Freiheit auf die Bedingung, dass sie mit der meinigen nach einem allgemeinen Gesetz zusammen bestehen könne“ hinausgehen dürfe (z.B. Steuererhebung = ein Sonderfall von Enteignung = ein Sonderfall von Raub = ein Sonderfall von Herrschaft). Sofern diese Person oder Personengruppe stärker ist, wird sie sich durchsetzen und es gibt kein Recht (sondern bestenfalls die Willkür beschränkende Regeln oder Gesetze). Sofern sie unterliegt, unterliegt sie nach der Maxime ihres eigenen Handelns. Diejenigen, denen sie unterliegt (Revolution), können entscheiden, ihre Überlegenheit nicht in eine neuerliche Herrschaftsordnung umzusetzen (anarchistische Revolution), sondern ihren Zwang auf die Herstellung der Möglichkeitsbedingung der Freiheit einzuschränken: Sie achten auch die Freiheit derjenigen, die die Freiheit verachten, damit ihre eigene Freiheit möglich bleibt. Das ist der kantische = anarchistische Rechtsgedanke. (Dass es auch der thomasische ist, behaupte ich hier nur mal eben so en passant.)

 

Was ohne Risiko zu haben ist

Nun wissen wir es nicht nur von Klaus Peter Krause, sondern auch von Helmut Kohl: Das Leben ist ohne Risiko nicht zu haben. Darum sei es rational, für Atomkraft zu sein. Für das „darum“ empfehle ich ein wenig aristotelische Logik, aber dies soll hier kein Nachhilfe sein, denn die gibt’s nicht ohne Knete. Zum Thema „Risiko“ vier Anmerkungen:

1. Mein Lieblingsbeispiel ist „The Transformation of American Law 1780-1860“ von Morton J. Horwitz. Eisenbahnen sprühen Funken und setzen Felder in Brand. Wer ist haftbar? Selbstverständlich, sagt das angelsächsische Gewohnheitsrecht, der Eisenbahnbetreiber. Das behindert die Geschwindigkeit der industriellen Entwicklung, sagt die Politik und verändert die Gesetzeslage. – Hinkt der Vergleich? Ich finde die Parallele zwischen Funkenflug und Strahlung ziemlich naheliegend.

2. Ich will ein Haus auf meinem Grundstück bauen und dazu wird ein Kran installiert, dessen Ausleger über das Nachbargrundstück ragt. Muss ich (in einer proprietären Gesellschaft | die Frage bezieht sich nicht auf die aktuelle Gesetzeslage in der Bruttosozialrepublik Deutschland) fragen? Darf der Nachbar die Nutzung seines Luftraumes nicht ablehnen, wenn ich versichere, der Kran sei absolut sicher und eine Ablehnung würde das Bruttosozialprodukt senken? Oder ist das Eigentumsrecht vielmehr dazu da, dass der Nachbar sich mir gegenüber zur Not gar nicht rechtfertigen muss? Oder unterscheidet sich das Eigentumsrecht nicht wesentlich von Staatskommunismus + habermas’scher Konsensethik?

3. „Aber die Gefahr, durch Kernkraftwerke lebensgefährlich verletzt zu werden oder ums Leben zu kommen, ist noch weit, weit geringer, als ins Auto zu steigen“ (Krause). Unabhängig davon, dass in einer proprietären Gesellschaft ich der einzige bin, der die Risikoabwägung für mich vornehmen kann, eine Anmerkung zum Straßenverkehr. Walter Block sagte mal, dass jedes Privatunternehmen, auf dessen Betriebsgelände sich so viele Betriebsunfälle ereignen würden wie im öffentlichen Straßenverkehr, sofort dichtmachen müsste. Ich erinnere mich, dass es vor ein paar Jahren in dem Freizeitpark „Phantasialand“ einen tödlichen Unfall gegeben hatte. Sofort stand alles Kopf. Ein Freizeitpark ist an Gefährdungspotenzial mit dem Straßenverkehr vergleichbar. [Und übrigens am Rande: Kaum einer ärgert sich im Freizeitpark über Regeln und Aufsicht, weil diese Regeln und diese Aufsicht (anders als im öffentlichen Straßenverkehr) als unmittelbar sinnvoll empfunden werden.]

4. Ich bin selten anderer Ansicht als Murray Rothbard, aber soweit ich mich erinnere, hat er als Atomkraftbefürworter mal das Argument gebracht, es gäbe ja auch natürliche radioaktive Strahlung. Das Argument finde ich wenig überzeugend. Denn ich erwerbe ein Grundstück mitsamt seiner natürlichen Eigenschaften. Wenn es dort natürliche Radioaktivität gibt, akzeptiere ich sie mit dem Kauf. Genauso gilt, dass bei Regen mein Grundstück nass wird. Das gibt doch einem Nachbar nicht das Recht, Wassermassen auf mein Grundstück zu leiten, nur weil Einnässung auch natürlicherweise vorkommt.

 

umZeit

Zeitumstellung. Hypothese zur (Nicht-) Durchsetzbarkeit in der freien (nicht-staatlichen) Gesellschaft. Erstmal zur Herausbildung gemeinsamer Normen wie einer einheitlichen Zeit bzw. der Struktur der Zeitzonen. Es bedarf dazu keiner zentralen Instanz; viele wichtige Normen sind auf dem Weg sinnvoller gemeinsamer Konventionalisierung entstanden; was die Zeitzonen in Nordamerika angeht, gibt es dazu einen Essay von Carl Watner. Für internationale Normen gilt nach wie vor das Argument von Kropotkin: Da es keine Weltregierung gibt, sind internationale Normen ein Beispiel für freie Vereinbarungen (Kropotkin wies auch auf tansnationale Dienstleitungen wie Postverkehr hin zu einer Zeit, als die Post in vielen Ländern nationales Staatsmonopol war und die Ansicht vorherrschte, ohne ein solches Monopol sei der Postdienst nicht aufrecht zu erhalten: Dagegen beweise, so Kropotkin damals, der transnationale Postdienst, dass es für die Beförderung der Post keiner Zentralbehörde bedürfe.)

Diese Konventionen werden von allen eingehalten, für die sie sinnvoll sind. Das Argument, es bedürfe zur Durchsetzung von Normen eines Staates, muss davon ausgehen, dass der Normverstoß beliebig, sinn- und gedankenlos und aus purer Bösartigkeit geschieht. In Wirklichkeit folgen aber gerade Gedankenlose ziemlich leicht den bestehenden Normen. Ein Verstoß, wenn er Nachteile bringt, trifft jedoch denjenigen, der gegen die Norm verstößt und das tut er nur, wenn er gute. d.h. für ihn überzeigende Gründe hat. (In den USA weigern sich z.B. die Amish aus religiösen Gründen, der Sommerzeitumstellung zu folgen. Siehe Watner, S. 276ff. Eine sehr interessante Textsammlung übrigens.)

Wenn es also tatsächlich Energie sparen würde, Sommer- und Winterzeit zu haben, könnte es dann nicht sinnvoll sein, die Zeit umzustellen?

Meine Hypothese ist, dass in einer nicht-staatlichen Gesellschaft etwas anderes geschehen würde: Unternehmen (oder Privatpersonen), bei denen sich tatsächlich eine nennenswerte Einsparung ergäbe und für die ein früherer bzw. späterer Beginn der Tätigkeitsaufnahme keine (ökonomischen, psychischen oder physischen) Nachteile brächte, jeweils eine Stunde (oder was immer sinnvoll ist) früher bzw. später Aufstehen/Anfangen.

Im bäuerlichen Leben haben die Menschen sich Jahrtausende lang rund um den Erdball am Sonnenauf- und untergang orientiert, ohne es jemals nötig gehabt zu haben, an der Uhr zu drehen.

 

leseempfehlung – ganz undiktatorisch

im neuesten elaborat des leib- und magenblattes der lichtgewitter des stahlhelmgeläuterten neoreaktitionismus findet sich ein (auch online gestellter) artikel zur ‘diktatur der eingabemaske’. eigentlich fällt der text über seine eigenen unbeholfen-ideologischen füsse, ich bräuchte gar nicht erst nietzscheanisch zu schubsen; aber das ding ist so kraus, das treibt mir die feder tastatur geradezu in die hand. sorry.

aber ich will mir nur zwei bemerkungen erlauben (es soll schliesslich ein schöner tag werden), eine kleine, scheinmarginale zum starten und dann eine grundsätzliche zum weiterdenken und dann einen kleinen summenden abgesang.

Die Eingabemaske ist unbarmherzig. Sie ist im strengen Sinne digital – sie kennt nur 1 oder 0: Entweder man schreibt etwas hinein oder nicht.

wau! ich habe das gefühl, der autor dieser bedeutenden betroffenheitserklärung hat noch nie mit triefendem federkiel vor einem leeren blatt handgeschöpften büttenpapiers gesessen. ganz undigital gilt auch in diesem stearinkerzenerleuteten idüll: entweder man schreibt oder nicht. horror vacui.

Die formalisierte Sprache der digitalen Welt ist hocheffizient und glasklar – aber eben unbeschreiblich standardisiert und arm. Sie beschränkt sich auf wenige Kategorien, um nicht benutzerunfreundlich zu werden – und wer nicht in diesen Kategorien denken will, hat Pech gehabt. Beispiel: die Like-/Dislike-Buttons, mit denen man auf Facebook, YouTube und Co. im Kaiser-Nero-Feeling mit himmel- oder orkuswärtsgerichtetem Daumen sein Urteil zur letzten Bundestagsrede Claudia Roths, zur neuesten Mahler-Einspielung Sir Simon Rattles oder zum zehntausendsten Heimvideo eines übergewichtigen US-Amerikaners abgeben kann: 1 und 0, like und dislike – aber gibt es auch einen „Finde ich interessant“-Knopf? Oder einen Button für „Hat irgendwie was, hinterlässt aber auch Befremden“? Oder eine Schaltfläche „Erinnert mich an ein persönliches Erlebnis, das fünf Jahre zurückliegt, darum berührt es mich sehr, obgleich es das eigentlich von der Sache her nicht tun würde, wenn es nicht gerade bei mir diesen Hintergrund gäbe“? Nein? Ja. Genau. 0, 1. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Enter.

mein gedanke dazu ist eigentlich nur: unser ganzes marktwirtschaftliches system in all seiner komplexität, unübersichtlichkeit und benutzbarkeit wird, streng genommen, ausschliesslich von der ‘diktatur’ der kauf/nichtkauf-entscheidung des verbrauchers getragen. 0 oder 1. ein bisschen kaufen ist wie ein bisschen schwanger. natürlich: es ist mir klar, dass ein nachbürgerlicher kulturgeschwängerter intellektueller für seine eigene produktion an feinstdifferenzierenden gedankenreichen gaaaaaaaaaanz andere massstäbe angelegt haben will, als es für fassbutter oder stahlblech-cutter üblich ist. aber, sorry: is’s nich’! marktentscheidungen sind zumeist digital-trivial: ja oder nein. das ‘jein’ ist der jämmerliche kampfplatz der politiker und der intellektuellen.

mein nachgesang: der jammernde text ist in eine eingabemaske eingegeben worden. und tummelt sich im verachteten web2.0. und hat an seinem füsschen eine social media verteilerapparatur (klick mich!) … aber er geriert sich als appetithappen für besseresser. entscheide dich, autor: entweder ist ein medium scheisse oder nutzbar. 0 oder 1. nur warmduscher nutzen ein medium, das sie verachten!

nichtOBsondernWIE

Statt Demo: Denken:

Das von Wendy McElroy formulierte Kriterium – gerecht sei ein gesellschaftlicher Zustand, der entsteht, wenn im Verlauf keine (Selbstbestimmungs = Eigentums =) Rechte verletzt werden – sagt, dass es nicht darum geht, ob ein bestimmtes Ziel angestrebt werden darf, sondern wie: auf welche Weise.

Es gibt eine Gruppe von Zielen, die durch dieses Kriterium ohne wenn und aber ausgeschlossen werden, nämlich alle solche Ziele, die eine Rechtsverletzung in ihrer Formulierung enthalten, z.B. „Enteignet Rothaarige!“ (Dagegen müsste ein Aufruf: „Kauft nicht bei Rothaarigen“ toleriert werden, auch wenn man ihn moralisch ablehnt.)

Für alle Ziele, die keine Rechtsverletzung in ihrer Formulierung enthalten, gilt, dass wir nur Hypothesen darüber haben können, ob sie sich (auf gerechtem Wege) realisieren lassen oder nicht. Atomkraft ja oder nein? Wenn es gelingt, ein AKW auf gerechtem Wege zu bauen (keine Subventionen, kein Schutz vor Regressansprüchen, keine [Strahlen-] Belastung auf Grundstücke, deren Eigentümer nicht zustimmen – habe ich was vergessen?): Was sollte dagegen einzuwenden sein? Und andersherum: Alle abschalten, auch wenn sie auf gerechtem Wege entstanden sind? Auch kein Problem: Wenn du die Eigentümer überzeugst.

Eine ganz andere Frage wäre, was auf dem Weg vom etatistischen Ist- zum gerechten Soll-Zustand getan werden kann. Ich vermute, dass gerade dazu Goodman mit seinem Pragmatismus einig Ideen beisteuern kann, und denke darüber nach. Demnächst mehr.

 

Pages: Prev 1 2 3 ...18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 Next


Design by AMY&PINK.