to do novo literatte

zwei bücher liegen auf meinem schreibtisch + glotzen mich auffordernd, ein wenig pikiert und sehr ungeduldig an: stefans neuer roman ‘die literatte‘ und ‘novo argumente – klare sicht nach vorn‘. beide wollen besprochen werden (aber nicht wie warzen, die nach der besprechung ja angeblich verschwinden sollen). der zeitpunkt für’s bücherlesen ist allerdings schlecht gewählt: im letzten sechstel des jahres ist buchhändlern das konzentrierte lesen durch exzessive verkaufstätigkeiten und anderes jahresendgedöns deutlich erschwert.

darum trage ich meine inneren lesensnöte hier nach aussen in’s geblogge: erhöhter druck erhöht die bereitschaft, dem druck durch erledigung zu entweichen (mediale manipulation der kostenkalkulation).

für’s erste soviel:

stefans roman ist schon beim daumendurchlauf anregend: die typografie macht appetit. interessant wird’s zu sehen, ob sie nur zur anregung pawlow’scher reflexe dient oder eine eigene logik + semantik aufbauen wird. das zu begreifen setzt allerding eine wirkliche lesung des ganzen textes voraus – ich arbeite d’ran.

hier eine vertonung der ‘zugabe: die gedanken sind frei’, des abschlusses der literatte (sprache: stefan | getön: ich)

stefan_literatte.mp3

novo argumente ist noch einen ganzen hacken härter: geballte halbjahres-power eines beachtlichen braintrustes … ein paar kleinigkeiten habe ich mir schon ‘reingepfiffen, aber so schnellschnell geht da nix – die verhandeln da schon so ein paar komplexe materien.
ich habe mich (zur eindämmenden strukturierung) mit mir darauf geeinigt, vier themen abzuhandeln: europa, energie, regulierungswahn, friedliche revolution. und zwar nicht unter der für mich unbeantwortbaren frage, was so in der welt alles los ist, sondern was das, was los ist, für einen einzelnen politikfernen menschen bedeuten kann. ob die artikel in novo mir bei der beantwortung dieser scheinbar harmlosen frage behilflich sein werden, wird die nagelprobe auf meine dünkung von qualität werden.

in demut vor der planbarkeit der zukunft …

katz+schwanz

Eigentum schützt die Schwachen, indem es den Starken ein Grenze ihrer Aneignung setzt.

Richtig.

Nur setzt die Existenz von Eigentum einen Garanten desselben voraus. Und dieser Garant ist als solcher sowohl Herrscher über die Schwachen wie über die Starken (via ‘Eigentum’). Besser: dieser scheinbare Garant … denn Herrschaft verträgt sich nicht mit Eigentum.

die katze beisst sich in den schwanz!

good times

Oasologie II

Tausende Flüchtlinge sterben in Ägyptens Sinai-Wüste, damit andere mit ihren Organen leben können. Organhandel ist längst eines der lukrativsten Geschäfte der Mafia.

Dieser Artikel zeigt, dass mein Organraub-Beispiel nicht unrealistisch war. Und genauso spontan, wie man im Beispiel des Verdurstenden vor der Oase gegen das Eigentumsrecht votiert, votiert man in diesem Fall für das (Selbst-) Eigentumsrecht. Im Oasen-Beispiel allerdings gehe ich davon aus, dass die Parteinahme gegen das Eigentum dadurch zustande kommt, dass es unvollständig ist (es wird nicht gesagt, warum der Oasenbesitzer das Wasser verweigert und welche Folgen dessen Enteignung hätte).

Ich möchte noch mal zusammenfassen, warum ich davon überzeugt bin, dass das Eigentum dem Schutz der Schwachen dient (und nicht umgekehrt ein Instrument der Starken ist gegen die Schwachen, wie die übliche Theorie lautet).

Die Starken nehmen sich in der Situation das, was sie ergreifen und behalten=schützen können. Dies gilt ebenso in einfachen Gemeinschaften wie in hochkomplexen Gesellschaften (wobei die Definition dessen, was die erforderliche Stärke ist, variiert: von reiner körperlicher Kraft über Charisma bis hin zu instrumenteller Vernunft). Eine Grenze des “Habbaren” im Eigentum zu setzen, ist die Begrenzung dessen, was die Starken sich aneignen dürfen. Das Konzept des Eigentums beginnt in der Schimpansen-Horde, in der das Alpha-Tier die Beute eines Rangniederen als unantastbar akzeptiert, obwohl es ein Leichtes wäre, ihm diese zu entreißen. (Ich spare mir an dieser Stelle eine Erwägung evolutionsbiologischer Gründe für dieses Verhalten).

Der Unterschied zwischen Bill Gates und Stalin (oder setze an dieser Stelle deinen Lieblings-Diktator ein) besteht darin, dass Bill Gates durch das Eigentumsrecht darauf beschränkt ist, seine Ideen/Produkte nur freiwillig (wenn auch vielleicht irrig und fehlerhaft) beipflichtenden Personen zuzumuten, während der Diktator diese Grenze nicht hat. Oder andersherum ausgedrückt: In einer Situation ohne Eigentum würde Bill Gates nicht weniger, sondern mehr Macht haben.

Nietzsche hat einmal gesagt (hab gerade keine Lust die Stelle rauszusuchen), dass die Stärke einer Kultur daran zu bemessen sei, ob eine starke Persönlichkeit, die das Zeug dazu hat, eine Religion zu begründen, “nur” ein Philosoph werde (gemeint damit ist Platon). Meine Argumentation zum Eigentum orientiert sich an diesem Gedankenexperiment: Eigentum schützt die Schwachen, indem es den Starken ein Grenze ihrer Aneignung setzt.

Warum sollten die Starken dem zustimmen? Ohne auf Evolutionsbiologie zurückzugreifen (die habe ich ja schon oben ausgeklammert), auch hier ein Rückgriff auf Nietzsche: Die Schwachen sind (in Nietzsches eigener Deutung von Hegels Herr/Knecht-Dialektik) in der menschlichen Gesellschaft letztlich immer die Sieger. Leider bringen sie (immer noch in Nietzsches Genealogie) in ihrem Zur-Macht-Kommen ihre erlernte Sklavenmoral mit sich, und die drückt sich auch in einem Ressentiment gegen das Eigentum aus (das sie mit ihren Unterdrückern identifizieren).

Eine liberale/anarchistische Perspektive kommt (jetzt Nietzsches Gedanken verlassen und zu Proudhons eigentümlicher Dialektik des Eigentums wechselnd) dann zustande, wenn die Schwachen das Eigentum als die stärkste revolutionäre Kraft identifizieren, mit der sie Staat, Unterdrückung und Krieg überwinden können.

die literatte

Thomas Prawon ist die Literatte. Tagebuchartige Aufzeichnungen, Unterrichtsprotokolle, erste literarische Versuche und die Erinnerung an ein nächtliches Gespräch, worin Thomas’ Vater ihn bei viel Rotwein damit konfrontiert, dass sein kriegsvermisster Großvater ein überzeugter Nationalsozialist war, schlachtet er aus, um für seinen weiteren Lebensweg entscheidende Tage im Sommer und Herbst 1974 zu beschreiben. Während Thomas die Welt des Geistes entdeckt, würgt ihn die Langeweile des Lehrstoffes. Einzige Ausnahme bildet eine ebenso attraktive wie kluge Philosophielehrerin …

Da ich auf eigene alte Aufzeichnungen aus den 1970er Jahren zurückgreifen konnte, kommt der damalige Sprachstil authentisch zu Wort. Sprachexperimente in Anlehnung an Arno Schmidt et.al. und eine ausgefeilte Typografie, die die unterschiedlichen Zeit- und Aussageebenen visualisiert, runden dieses ungewöhnliche Buch ab.

Mit Leseprobe (pdf). Ein Zitat aus gegebenem Anlass hatte ich schon reingestellt (und es ist ja nach wie vor aktuell). Paul Goodman zum 100. Geburtstag gewidmet.

the law of robotics states …

meine schwester hat mir eine schöne site ‘rübergefunkt, die mit html5 statt flash ‘rumexperimentiert …

meine assoziationen bei der behendheit der greifarme sind mir zu eigen, nicht der verlinkten site.

don’t be a red ball!

über_forderung

dirk baecker hat – inspiriert durch niklas luhmann – behauptet, jedes wirklich neue medium (sprache, schrift, buchdruck + ‘neuerdings’ computer) habe die menschen überfordert – habe sie gewissermassen durch die noch traditionell undefinierten+unbeschränkten anmutungen in’s paddeln gebracht (”… ist alles so schön bunt hier!‘) – so wie jeZZe facebook, twitter, cloud & co. schlichte zumutungen sind, die – so scheint’s – die menschen vor sich her treiben …

warum eigentlich (wenn wir schon die reflektionsmittel haben, die zumindest theoretisch einsicht ermöglichen) zeigen wir, die ‘user’, den neuen medien nicht einfach die heisse schulter (die kalte schulter zeigen ja schon die kulturbeflissenen sz-faz-kulturzeit-kulturspiegel-zeit-etc.-print!print!print!medien) – und überfordern einfach die ‘neuen medien’ – durch massenhaften missbrauch, durch planvolle missachtung der psychologien, die die medien bei uns auszubeuten gedenken? massenhaft jeden erdenklichen müll posten, twittern, facebooken,bloggen, absondern, abstreifen, entmüllen – ein exzessiv kontrolliertes entäussern zu lasten der sich omnipotent dünkenden speichermedien – SPRENGT DIE SPEICHER!

facebook soll bits+bytes kotzen, twitter sich zu tode furzen, wordpress einen starrkrampf erleiden, der coolsten cloud soll die puste ausgehen …  (schon ‘mal das grosse fressen geglotzt?)

dirk+niklas :: ihr habt das hautgout des hilflosen der jeweils neuesten medien (for us: the computré) nicht gerochen – aber ihr habt die nasen angespitzt, die aus einer überforderung des selbst eine überforderung des selbstüberforderers als taktik herausriechen können …

konkrete vorschläge?

biederfrau und die brandstifter

ziemlich zerknirscht vom paul-goodman-kongress der deutschsprachigen gestalttherapie-verbände in wien zurückgekehrt. mir ist es nicht gelungen, klar zu machen, dass goodman es ernst meinte, wenn er nicht mehr, sondern weniger staatsausgaben z.B. für bildung forderte (für militär sowieso). lieber identifiziert frau goodman mit einer anscheinend inhaltslosen empört-euch-haltung, wobei frau stets weiß, dass die empörung sich gegen angebliche kürzungen (in wahrheit nichts als geringere steigerungen) der sozialstaatsausgaben richten. das herz schlägt ja rechts. frau ist nicht anderer meinung als goodman, sondern nimmt gar nicht erst zur kenntnis, dass er etwas anderes meinte, wenn er von widerstand und anarchie sprach. liberalismus ist als denkmöglichkeit bzw. als möglicher diskussionsgegenstand bereits ausgeschlossen. das herz schlägt ja rechts. lieber noch klatscht frau hau-drauf-”anarchisten” zu, die sich ihrerseits von jeglicher staatskritik verabschiedet haben. das herz schlägt ja rechts. “biedermann und die brandstifter”, die geniale faschismusanalyse von max frisch, fällt mir ein: bevor mann=frau zugeben würden, dass es ihr angebeteter staat ist, der die misere verursacht, und es der kapitalismus wäre, der uns retten könnte, werden die brandstifter ins haus geladen. ich bin ratlos. was tun? plakativer werden? agitatorische rhetorik bemühen? das wäre wohl nichts für mich.

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