jorge colombo – new york mit dem iphone gemalt

jorge colombo - new york mit dem iphone gemalt

(via SPON)

Wenn Jorge Colombo arbeitet, sieht er aus wie einer von Zehntausenden Touristen oder Einheimischen, die auf den Straßen New Yorks herumstehen, in dieser heute so typischen Haltung: Den Kopf geneigt, die eine Hand auf Brusthöhe erhoben, den Zeigefinger der anderen auf dem Touchscreen seines Smartphones. Colombo aber sucht nicht den Weg zur nächsten U-Bahn-Station, er liest keine E-Mails und spielt nicht “Angry Birds”. Jorge Colombo ist Maler – und sein bevorzugtes Werkzeug ist das iPhone und die simple Mal-App “Brushes”. (cls)

bilder, die mich am frühen sonntagmorgen richtig wach+froh gemacht haben! das buch dazu gibt’s jetzt auch zu kaufen: für 19,99 bei amazon oder 20,05 bei libri.  wobei die von amazon annoncierte lieferzeit von 5-8 wochen den 6-cent-vorteil doch zunichte macht …

viel spass!

homepage jorge colombo

oasologie

die oase, belagert von 1.000 verdurstenden, die vom oasenbesitzer gehindert werden, zu trinken, lässt mich nicht los. warum fragen des rechts, der ethik und der moral an beispielen anwenden, die unrealistisch sind? spannend wird es ja immer bei der übertragung: wenn die 1.000 verdurstenden den oasenbesitzer enteignen dürfen, dann darf auch usw. ich erinnere mich, dass bei einem vortrag walter block in satirischer (?) absicht folgende konstruktion bemühte: aliens bedrohen den fortbestand der welt. sie stimmen aber zu, von ihrem vernichtungsvorhaben abzusehen, wenn wir (die konferenzteilnehmer) einem teilnehmer (walter zeigte auf den ihm zunächst sitzenden) auf die füße treten. ein kleiner eingriff in die privatsphäre für das überleben der menschheit! hätte er das recht, diesen eingriff trotzdem abzuwenden? ich weiß nicht mehr, wie sich walter damals aus der affäre gezogen hat. vermutlich mit murray rothbards lifeboat-argument.

wenn’s ums überleben geht, gibt’s keine moral? erst kommt das fressen, dann die moral? das hat was für sich. das ist der ausgangspunkt im “miriamslied”.

damit sind wir meines erachtens aber noch lange nicht am ende des lateins oder besser: des liedes. schauen wir uns ein durchaus realistischeres szenario an: ich habe zwei gesunde nieren. es gibt leute, die ohne eine transplantation nicht überleben können, aber die verfügbaren organe reichen nicht aus, um den bedarf zu decken.

1. bin ich moralisch verpflichtet, eine meiner nieren zur verfügug zu stellen?* (diese frage also ersteinmal ohne einbeziehung derjenigen, ob zwangsmaßnahmen bei nichteinhaltung der moralischen verpflichtung legitim sind.) und zwar:

(a) einem verwandten

(b) einem nachbarn

(c) einer beliebigen person

2. hat eine person, die eine niere zum überleben braucht, das recht, mich, wenn ich mich weigere, sie zu spenden (oder zu verkaufen?), mich zu holen zu und zu narkotisieren, meine niere entnehmen und sich selbst einsetzen zu lassen?

was unterscheidet dieses szenario von dem der oase? genau der von walter block aufgeworfene punkt: die nierenentnahme ist ein größerer eingriff. “größer” und “kleiner” sind allerdings problematische kategorien. trotzdem: wenn der oasenbesitzer genug wasser für alle hat und dies abgeben kann, ohne (größere) nachteile zu erleiden, dann werden die 1.000 verdurstenden sein wasser nehmen, nötigenfalls mit gewalt. dieses problem wird sich allerdings so nie stellen, genausowenig wie die aliens das auf-den-fuß-treten als gegenleistung für ihr welt-bestehen-lassen fordern werden. denn der oasenbesitzer weigert sich doch nur, insofern er durch die wasserverteilung größere nachteile für sich (für seine familie, für seine gemeinde, für seinen stamm, für sein land) erwartet.

und dies ist in der tat unsere gegenwärtige situation: aufgrund von interventionistischer wirtschafts- und währungspolitik gibt es (noch?) oasen in europa und anderswo, während millionen menschen darben. wir errichten zäune gegen ihre begehrlichkeiten, denn wir wollen das, was wir haben, nicht mit ihnen teilen. die advokaten der verteilung senken derweil den wohlstand und machen immer mehr menschen arm.

der andere weg wäre, den wohlstand zu mehren. sieht nicht so aus, als würde der zur zeit populär sein. ihn denkend zu bewahren heißt, nicht zu resignieren.

––––––––––––

* unsere eigentumsfeindlichkeit spiegelt sich darin, dass die andere frage – habe ich das recht, eine meiner nieren zu verkaufen – meist schon als frage empörte ablehnung erntet.

David Lynch – Crazy Clown Time

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selbsteigentum = menschenwürde

lieber andreas, die formel “eigentum = recht, verdursten zu lassen” ist ja auch nur eine auskoppelung aus einer serie von möglichen bestimmungen. warum nicht?: “eigentum = freiheit, verdurstende zu retten”. warum nicht?: “eigentum = chance, genug wasser für alle zur verfügung zu stellen”.

ich komme gerade von einem multireligiösen retreat in auschwitz (unter der inspiration des zen-meisters bernie glassman). fünf tage geballte staatstheorie auf anderer ebene. vielleicht berichte ich darüber noch mal separat. in diesem zusammenhang nur dies: nirgendwo ist mir der begriff des selbsteigentums so eindringlich klar geworden. den menschen, die in auschwitz konzentriert waren, gelitten haben und umgekommen sind, juden, polen, kriegsgefangene, roma, homosexuelle, jehovas zeugen, kommunisten, katholiken, protestanten, nahmen die nationalsozialisten ihre namen, ihre haare, ihren raum, ihre arbeitsprodukte, ihre arbeitsfähigkeit. es ist nichteinmal möglich, sie als “sklaven” zu bezeichnen, denn der sklavenhalter hat als grenze seiner grausamkeit immerhin noch die maßgabe, dass seine sklaven überleben und als produzierend tätige überleben.

1000 (grundlos) verdurstende treffen auf 1 oasenbesitzer, der ihnen (grundlos) verweigert, dass sie ihren durst stillen. was passiert? sie überrennen die oase, erschlagen den besitzer und die ersten 10 finden genügend wasser vor, um zu überleben. wer nicht schnell genug ist, wer nicht stark genug ist, der verdurstet. genug wasser für alle braucht einen anderen weg.

lou reed + metallica + wedekind’s LULU!!!

lou reed + metallica + wedekind's LULU!!! Den ganzen Beitrag lesen »

widerspruchsfrei ungeil ….

Was dürfen Mehrheiten (außerhalb von freiwillig zusammengeschlossenen Menschengruppen) entscheiden? Die meines Erachtens einzig in sich widerspruchslose Antwort lautet schlicht und einfach: Nichts.

yupp.

aber interessiert ‘widerspruchslos’ irgend eine sau?

sie tun’s einfach. mit moralischem heiligenschein. punkt. und äusserst wirksam.

wenn ein eigentumsfiXXierter oasenbesitzer auf 1000 mittellose +  verdurstende trinkwasserbedürftige trifft?

was ist da eine ‘widerspruchslose’ begründung? wert?

die frage des widerspruchs ist erst in unexistenziellen zusammenhängen wirksam (also z.b in westlichen, luxorierenden demokratien). daher ist auch zwischen ‘verdursten lassen’ und ‘eigentum behaupten’ nicht ohne ansehen der person + der umstände zu entscheiden (iustiZZia ist da eigentlich zwar blind, aber: was ist schon ‘eigentlich’ … <<<<<<<? …)

‘verdursten’ ist zu stark, um ‘eigentum=recht, verdursten zu lassen’ zu kommunizieren – das ist eine prinzipielle einschränkung des individuellen glaubens, einfach zu dürfen, wennZ nur um eigen-tum geht (was den anspruch der vielen gegen den einzelnen politisch legitimiert)

kapische? wenn nich’: ask!!!

die schmach der demokratie, fortsetzung

Der Wahlsieg der Islamisten in Tunesien macht es erneut deutlich: Im sogenannten “Arabische Frühling” geht es, anders als im “Prager Frühling”, an den die Namensgebung durch die westliche Presse assoziativ anknüpft, nicht um mehr, sondern (wie zumindest zu befürchten ist) um weniger Freiheit. Dieser Wahlsieg sollte die Frage wiederum aktuelle machen: Was dürfen Mehrheiten (außerhalb von freiwillig zusammengeschlossenen Menschengruppen) entscheiden? Die meines Erachtens einzig in sich widerspruchslose Antwort lautet schlicht und einfach: Nichts.

Anstatt über militärische Hau-drauf-Verschlimmbesserung, die ja in Afghanistan (und nicht nur dort) sichtbar scheitert, nachzudenken, muss jeder, der ernsthaft an der Vergrößerung des Freiheitsareals interessiert wäre (Konjunktiv, denn die westlichen Staaten sind es nicht, sie basteln ja an ihren eigenen Abschaffungen letzter Reste von Freiheit), ersteinmal die Stärke und damit Anziehungskraft des Islamismus analysieren. Das ist wie mit dem Nationalsozialismus: Zu sagen, dass er für die Massen attraktiv war (und sich darum demokratisch durchgesetzt hat*), kommt ja einem Sakrileg gleich (und wenn es ein Politiker tut, muss er zurücktreten wg Verharmlosung – da komme ich auch Jahre später nicht drüber). Aber das wäre der einzig sinnvolle Ansatz, wenn man herausbekommen will, welche Strategie sich gegen Totalitarismus (in diesem Fall in Form von Klerikalfaschismus) einsetzen ließe.

Für die Islamisten gilt wie für die Occupy-Bewegung und, natürlich, den Faschismus auch (der Staatskommunismus ist in der Richtung meist viel weniger effektiv und erfolgreich gewesen), dass die Massen der Menschen, die in ihrem Tun durch den Staat kastriert wurden (dies aber nicht durchschauen), sich nach einer Lösung durch eine starke Hand umschauen. Die unsichtbare Hand des Marktes ist unsichtbar, aber auch die Behinderung durch den Staat ist so indirekt, dass sie nicht erkannt wird. Gleichwohl sind es staatliche Maßnahmen, die effektive Selbsthilfe behindern oder unmöglich machen. Nach einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten von Staatsgewalt geht dann auch die Fähigkeit zur Selbsthilfe verloren. Selbst in den USA war ja nach der Flutkatastrophe in New Orleans zu beobachten, dass das, was als Nationalstolz der Nordamerikaner gilt, nämlich die Haltung, in Krisensituationen selbst nach Auswegen zu suchen und sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun, um sie umzusetzen, sehr gelitten hat.

—–

* Komme mir keiner mit Verfahrensfehlern (Mehrheiten können Regeln ändern) oder mit der schlappen Behauptung, Hitler hätte ja nie die Mehrheit bekommen: Koalitionsregierungen sind doch an der Tagesordnung und mit den Regeln völlig kompatibel. Eine Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung hat z.B. in der ganzen BRD-Zeit keine einzige Bundesregierung hinter sich gehabt, wenn man die Nichtwähler hinzuzählt (sie werden ja immer dem Sieger zugerechnet; das mag machtpolitisch akzeptabel sein, denn Nichtwähler sind, wenn keine politisch aktive Verweigerung sie leitet, passiv und kein Faktor, den man bedenken muss; aber unzweifelhaft geben sie auch nicht eine aktive Zustimmung).

Nicht alle sind verrückt geworden

“Die Banker sind die Sündenböcke unserer Zeit. Ob der christdemokratische Finanzminister Schäuble oder Linken-Fraktionschef Gysi, ob EU-Kommissionspräsident Barroso oder US-Präsident Obama – sie alle sympathisieren mit den Demonstranten, die seit Wochen nahe der Wall Street, dem mächtigsten Finanzzentrum der Welt, campieren. […]

Den Politikern in Europa und in den USA ist es mehr als recht, wenn die Bürger die Banken als Verursacher der aktuellen Finanzkrise geißeln. Denn diese Kritik kaschiert, dass es in Wirklichkeit politische Entscheidungen waren, die zu den jetzigen Turbulenzen geführt haben. […]

Seit Jahren – und schon lange vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 – häuften Staaten wie Griechenland oder Italien immer mehr Schulden auf. Auch in den USA werden die öffentlichen Ausgaben in die Höhe getrieben, als gäbe es kein Morgen. […]

In Wirklichkeit aber sind die wahren Spekulanten die Politiker selbst, die uns seit eineinhalb Jahren weismachen wollen, dass sie mit ihren immer neuen, immer gewagteren Rettungsmanövern die Krise bewältigen werden.”

Welt online, Dorothea Siems

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