die oase, belagert von 1.000 verdurstenden, die vom oasenbesitzer gehindert werden, zu trinken, lässt mich nicht los. warum fragen des rechts, der ethik und der moral an beispielen anwenden, die unrealistisch sind? spannend wird es ja immer bei der übertragung: wenn die 1.000 verdurstenden den oasenbesitzer enteignen dürfen, dann darf auch usw. ich erinnere mich, dass bei einem vortrag walter block in satirischer (?) absicht folgende konstruktion bemühte: aliens bedrohen den fortbestand der welt. sie stimmen aber zu, von ihrem vernichtungsvorhaben abzusehen, wenn wir (die konferenzteilnehmer) einem teilnehmer (walter zeigte auf den ihm zunächst sitzenden) auf die füße treten. ein kleiner eingriff in die privatsphäre für das überleben der menschheit! hätte er das recht, diesen eingriff trotzdem abzuwenden? ich weiß nicht mehr, wie sich walter damals aus der affäre gezogen hat. vermutlich mit murray rothbards lifeboat-argument.
wenn’s ums überleben geht, gibt’s keine moral? erst kommt das fressen, dann die moral? das hat was für sich. das ist der ausgangspunkt im “miriamslied”.
damit sind wir meines erachtens aber noch lange nicht am ende des lateins oder besser: des liedes. schauen wir uns ein durchaus realistischeres szenario an: ich habe zwei gesunde nieren. es gibt leute, die ohne eine transplantation nicht überleben können, aber die verfügbaren organe reichen nicht aus, um den bedarf zu decken.
1. bin ich moralisch verpflichtet, eine meiner nieren zur verfügug zu stellen?* (diese frage also ersteinmal ohne einbeziehung derjenigen, ob zwangsmaßnahmen bei nichteinhaltung der moralischen verpflichtung legitim sind.) und zwar:
(a) einem verwandten
(b) einem nachbarn
(c) einer beliebigen person
2. hat eine person, die eine niere zum überleben braucht, das recht, mich, wenn ich mich weigere, sie zu spenden (oder zu verkaufen?), mich zu holen zu und zu narkotisieren, meine niere entnehmen und sich selbst einsetzen zu lassen?
was unterscheidet dieses szenario von dem der oase? genau der von walter block aufgeworfene punkt: die nierenentnahme ist ein größerer eingriff. “größer” und “kleiner” sind allerdings problematische kategorien. trotzdem: wenn der oasenbesitzer genug wasser für alle hat und dies abgeben kann, ohne (größere) nachteile zu erleiden, dann werden die 1.000 verdurstenden sein wasser nehmen, nötigenfalls mit gewalt. dieses problem wird sich allerdings so nie stellen, genausowenig wie die aliens das auf-den-fuß-treten als gegenleistung für ihr welt-bestehen-lassen fordern werden. denn der oasenbesitzer weigert sich doch nur, insofern er durch die wasserverteilung größere nachteile für sich (für seine familie, für seine gemeinde, für seinen stamm, für sein land) erwartet.
und dies ist in der tat unsere gegenwärtige situation: aufgrund von interventionistischer wirtschafts- und währungspolitik gibt es (noch?) oasen in europa und anderswo, während millionen menschen darben. wir errichten zäune gegen ihre begehrlichkeiten, denn wir wollen das, was wir haben, nicht mit ihnen teilen. die advokaten der verteilung senken derweil den wohlstand und machen immer mehr menschen arm.
der andere weg wäre, den wohlstand zu mehren. sieht nicht so aus, als würde der zur zeit populär sein. ihn denkend zu bewahren heißt, nicht zu resignieren.
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* unsere eigentumsfeindlichkeit spiegelt sich darin, dass die andere frage – habe ich das recht, eine meiner nieren zu verkaufen – meist schon als frage empörte ablehnung erntet.