sich kümmern

bei meiner morgenzigarette aus dem fenster (zu meinem ‘hof’) sah ich eine schlaff schlurfende graue frau mit einem quicklebendigen kleinen hundchen: hund rast weit weg, frauchen pfeift routiniert, hundchen bremst quietschend, rast zurück, meldet sich erkennend wieder an und im gleichen atemzug wieder ab und rast wieder seiner wege …

frage nach der beruhigenden funktion von haustieren: wenigstens irgendetwas+irgendwer kümmert sich um mich, nimmt mich wahr, hört auf mich

‘die welt’ (zweite natur) kümmert sich nicht um mich.

‘sozialstaat’ ist die produktion einer (dritten) natur, die mich (notfalls per gerichtsentscheid) wahrnehmen muss.

‘marktwirtschaft’ ist die freiheit, mich wahrnehmbar zu machen (etwa als begehrenswerte ware oder unverkäufliches unicum) oder es zu lassen.

‘eingeklagte wärme’ … klingt armselig. aber was soll die graue frau am kalten markt anbieten?

temperaturverteilungen als argumentationsersatz … das ende der aufklärung: die intellektuelle klimakatastrophe.

 



9 Reaktionen

Der Intellektuelle kümmert sich naturgemäß zu wenig um seine seelische Gesundheit.

Deswegen braucht sie oder er Gestalttherapie ;-)

@stefan s.

1. naturgemäss? nein!
2. seelische gesundheit? was ist das? so ein begriff bedarf eines von aussen angelegten massstabes, der sein recht, massstab sein zu können, zumeist nicht erweisen kann. mit der definition ‘ist krank’ ist geschichtlich viel zu viel gemeuchelt worden, um diese begrifflichkeit naiv nutzen können zu wollen.
3. wie trenne ich sinnvoll intellekt und seele? ist beides nicht untrennbar verzahnt? so untrennbar, dass eine begriffliche trennung so etwas wie die trennung von siamesischen zwillingen bedeuten könnte?

@stefan b.

bei ‘therapie’ schalte ich fast automatisch auf stur: ich bin nicht nur meine freiheit, sondern auch meine unfreiheit. diesen kampf mit ‘fremden’ mitteln fernsteuern zu lassen verbitte ich mir. nur die, die mich lieben, haben ein recht, mich in diesem kampf zu unterstützen: weil sie intuitiv wissen, wer ich bin, welche kampfanordnung. und die nicht klare siege wollen, die an meinem mir gehörigen versagen vorbei und d’rüberhinweg das ruder an sich reissen ad maiorem gloriam des ‘dei gesundheit’.

nicht sehr clever, diese ideosynkrasie. aber sie ist mit mir verwachsen (was wiederum den therapeuten ein gefundenes fressen wäre, diese mich konstituierende macke erst recht zu eliminieren).

“bei ‘therapie’ schalte ich fast automatisch auf stur” Prima. “Willkommen, Widerstand” (ist so ‘n Gestaltie-Spruch).
“weil sie intuitiv wissen, wer ich bin” das sollten Gestalttherapeuten eigentlich nicht (Der Begriff der Persönlichkeit – “wissen, wer ich bin” – ist negativ besetzt).
‘die gesundheit’ hab mal einen Adorno-Spruch gehört (weiß aber nicht, woher er stammt- bei Wikiquote müsste er unter “ungeprüft” laufen): Was nützt einem Gesundheit, wenn man sonst ein Idiot ist?

ich halte es eher mit dem adorno-spruch: Deine Freunde sind dort wo du schwach sein kannst, ohne Staerke zu provozieren.

das schliesst therapeuten aus (mit all ihrem so lieb versteckt gehaltenen herrschaftswissen!)

“das schliesst therapeuten aus” nun ja, das ist ziemlich pauschal und ziemlich eindeutig, vollkommen in ordnung. aber nur mal so am rande: ohne freud kein adorno :-) (geistig gesehen).

P.S. Das ultimative Pro-Therapeuten-Argument: St. Anger, Metallica, gäb’s nicht ohne. Wäre doch ‘ne Katastrophe!

yepp. das iss echt ultimativ! zumindest was metallica angeht (rest kenn’ ich – noch – nich’ …) ;-) )

aber deine kleine intervention (die mein z. zt. etwas verklemmtes ego echt aufmuntert!) hat natürlich auch (wen wundertZ?) ihr ernstes gerechne: was wäre, wenn keine deiche + leuchttürme (wo doch immer die public goods d’ran scheinüberzeugend festgeleimt werden) gegeben hätte? haben leuchttürme die navigation behindert oder befördert? wäre ‘das navi’ vielleicht jahrzehnte früher erfunden worden? schlicht: weil die not grösser gewesen wäre. oder haben sie als zeitmässig optimale zwischenlösungen den ganzen karren befeuert?

keine ahnung!

von daher:

wenn
kein pietismus die äusseren gottheiten in innere verwandelt hätte
kein marx die inneren gottheiten wieder exhumieren hätte müssen
kein freud die identität von inneren und äusseren gottheiten hätte erweisen müssen
keine therapietheorie den ‘gott des normalen’ hätte erfinden müssen
etc.
etc.
etc
wäre, wenn all das nicht hätte stattfinden müssen, nicht idiotisch viel energie übriggeblieben, frei gewesen sozusagen, die unendlich kreativeres, schöneres, unzwanghaftigeres hätte erfinden können als ‘metallica’?

warum sind wir mit den fitzelchen erklärbarem, das die vorgeschichte uns übriglässt, immer irgendwie zufrieden?

das, was ist, ist nur eine andeutung dessen, was hätte sein können.

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trotzdem ist metallica geil!

Oh ja, Andreas, dazu fällt mir ein: Zurück zu Freud. Sublimation = Kultur. Jenseits des Lustprinzips neu gelesen, Das Unbehagen in der Kultur und – gerade beendet – Der Mann Moses und der Monotheismus. Grandios. Da hat sich auch Goodman die Zähne dran gewetzt.

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