wer ist richard halley? II

als nachtrag:

wenn ich mir das paganini’sche original anhöre, frage ich mich: warum hat r. überhaupt … ? hier von der wirklich unvergleichlichen hilary hahn gespielt:

variations-sätze sind natürlich für das darlegen kompositorischer produktivkräfte unvergleichlich: aus jedem scheiss strohhalm wird gold gedroschen: ist das bach’sche goldberg-theme noch in sich selber schön + genügend, ist schon das (fast) letzte klavierwerk beethovens, die unverschämt reichen diabelli-variationen, ein wahrer goldhort auf einem wahren lumpen von einem thema. rachmaninov fällt gegen diese reiche produktivkraft (ich sehe das jetzt nach intensiverer beschäftigung) gnadenlos obermies zurück.

es ist verwirrend, wie erinnerungen einem immer gerne ein kleines streichlein spielen: wie, wenn ich meinen geliebten karl may, den ich mit einem lego-leuchtstein augenverderbend beleuchtet unter der bettdecke, die mich vor den anforderungen des für kinder rechtzeitigen zubettgehens schützte, für mich eroberte, nach erneuter lektüre jahrzehnte später nicht mehr verknusen kann vor lauter ärger … so ist auch manche erinnerung an gehabte musikgenüsse weit reicher an schönheit als deren aktuelle revisitation.

manches sollte man einfach unaktualisiert ruhen lassen. ‘meinen’ rachmaninov habe ich mir jedenfalls gründlich versaut – den r., den ich erinnerte in pracht + schönheit + der mir jeZZe zusammenschnurrt zu einem artifiziellen, kunstgewerblichen gewusel.

vielleicht sollte ich auch rand nicht nochmals lesen …



5 Reaktionen

Es ist doch garnicht wichtig, was man _jetzt_ im Nachhinein beim erneuten Lesen oder Hören fühlt.

Es ist wichtig, daß die Dinge _damals_ ihren Zauber hatten. Daß Karl May _damals_ tolle Geschichten erzählt hat. Daß bestimmte Musik _damals_ toll klang.

Heute gibt es andere Dinge, die dies verblassen und vielleicht etwas langweilig erscheinen lassen. Aber wenn Du _damals_ nicht Karl May oder Rachmaninov gehört hättest, dann hättes Du heute nicht diese schönen mit Zauber behafteten Erinnerungen daran.

„vielleicht sollte ich auch rand nicht nochmals lesen …“

vielleicht nicht …

Der Wert einer Sache besteht, aber wem sag’ ich das, nicht in ihr selbst, sondern dem was wir in unserem Kopf daraus machen.

Und wenn unser Kopf aus Karl May und Rand eine schöne Erinnerung gemacht hat, dann sollten wir uns darüber freuen, daß diese Bücher dies ausgelöst haben.

Man geht ja dann auch wieder weite im Leben und trifft auf neue Dinge. Und oftmals wünscht man sich, daß diese neuen Dinge den gleichen Zauber, die gleichen Gefühle, wieder auslösen. Aber das ist doch eher selten der Fall.

Und dann merkt man, wie wertvoll die Erinnerung an so ein banales Buch von Karl May, oder vielleicht auch von Ayn Rand, ist. Und ist es nicht phantastisch, daß diese Erinnerung einem – wie sagt man so schön – das Herz erwärmen?

Wenn ich heute Karl May lese, dann krümmen sich mir die Fußnägel, aber wenn ich mich dabei sehe, wie ich mit elf oder zwölf Jahren mit meinem gesparten Taschengeld in den Schreibwarenladen gegangen bin, um – in der Hoffnung, daß der Inhaber neue Titel bekommen hat – mir ein weiteres Buch zu kaufen und abends darin zu versinken, dann möchte ich diese Erinnerung nicht missen.

Das ist der Wert von Musik und Literatur. Daß sie uns, wenn die Zeit und Umstände passen, Erinnerungen bereitet, die einzigartig sind. Einzigartig _auch_ deshalb, weil sie nicht wiederholt werden können.

Seit ich aufgehört habe, Karl May zu lesen, hat es nicht viele Bücher gegeben, die noch einmal so intensive und schöne Erinnerungen hervorgerufen haben, wie diese etwas hemdsärmlige Literatur.

Dafür, daß diese Erinnerungen möglich sind, mag ich Karl May. Und dafür mag ich manches an Musik, das ich heute nicht mehr hören kann.

Worum ging’s grad, ach egal, Andreas Deine Texte laden immer so zum schwafeln ein ;-)

danke für das herzerwärmende kompliment!

Tolerante

Latürnich Geschmackssache. Ich denke, man muss alles, was produziert wird, tolerieren:

http://www.ibif-zitateblog.de/2012/01/tolerantes-gefalle.html

Irgendwie so.

[...] habe gerade meine erneute lektüre von rands ‘john galt’ beendet – trotz der sehr leisen warnung von michael. und es hat mir richtig spass gemacht! viel mehr als beim ersten mal vor vielen jahren. [...]

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